LUTHERs FACEBOOK

 

Nr. 211

In der Fülle der Feiertage, die unseren Alltagstrott erschüttern, Reformationstag, Halloween, Allerheiligen, Allerseelen, spielt merkwürdigerweise das Erdbeben von Lissabon keine Rolle. Ein Jahr lang werden wir über Luther hören, was wir noch nie gehört haben und was wir vielleicht gar nicht hören wollen. Nicht nur der aggressive Antisemitismus und Antiislamismus der Neuzeit gehen auf ihn zurück, auch seine Katastrophen-  und Höllenprojektionen wirken bis in die Gegenwart. Unbestritten ist sein Einfluss auf Bildung, Wohlfahrt und Chancengleichheit. Man kann ihm nicht genugtun. Aber kann man denn dem kleinsten und unbedeutendsten Menschen gerecht werden? Kann man den Nachbarn beurteilen, den Freund, die Ehefrau, den Ehemann, den Kollegen, die Vorgesetzte, die Eltern, die Kinder? Ein frühes Produkt der Neuzeit, an deren Beginn eben auch Luther steht, ist das Individuum und die Erkenntnis, dass es mehr Gründe und Gegengründe als Menschen und Ameisen gibt.

Am Allerheiligentag 1755 wurde Lissabon, das damals die Hauptstadt eines großen Weltreiches, des lusophonen Dreiecks war, von einem Erdbeben der Stärke neun, einem Tsunami und einem flächendeckenden Großbrand heimgesucht. Und es ist vielleicht einer der ersten Punkte der Menschheitsgeschichte, wo wir merkten, dass wir eben nicht heimgesucht wurden, sondern dass wir Teil der Natur sind, die nicht nur schön ist. Jeder kennt den Satz des Außenministers und späteren Kanzlers des portugiesischen Reiches angesichts der Verheerung, immerhin waren fast neunzig Prozent der teils wunderschönen Bausubstanz zerstört und die Hälfte der Einwohner tot, ‚begraben wir die Toten und ernähren wir die Lebenden‘. Das ist nicht nur ein äußerst mutiger Pragmatismus, das ist die Erkenntnis, dass wir Teil eines schönen und schrecklichen Gesamtsystems sind, das wir nur sehr bruchstückhaft verstehen. Der Kanzler musste erst aus seiner Gruppe heraustreten, um dies zu erkennen und um hilfreich zu handeln. Leider ist es oft so, dass die Herausgetretenen eine neue Gruppe der Wahrheitsbesitzer bilden, die wartet, bis das nächste Erdbeben ihre Wahrheit zerstört und ihren Führungsanspruch annulliert.

Dafür gibt es keine Lösung. Immer wieder werden Teile der Menschheit auf einfache Wahrheiten hereinfallen. Aber es gibt immer weniger Kriege. Immer wieder werden Menschen glauben, dass andere an ihrer Armut schuld sind. Aber es gibt immer weniger Hunger. Das Mehr an Bildung, das es erfreulicherweise auch gibt, scheint manchmal in neuen Medien zu ertrinken. Aber so ist es nicht. Die neuen Medien, zu Luthers Zeiten das Flugblatt, heute zum Beispiel Facebook, verstärken nur etwas, das da sein muss. Sie sind Medium, nicht Botschaft. Schwer zu erkennen ist beispielsweise die Gleichzeitigkeit: die neuen Medien trafen gleichzeitig auf Menschen, die endlich in der Demokratie angekommen und ihrer überdrüssig waren. Die von Nietzsche behauptete Verwechslung von Aktiv und Passiv tritt um so deutlicher hervor, je mehr Möglichkeiten das Passiv hat. Es möchte wahrgenommen werden, zunächst als Individuum, als Mensch, dann als Frau, als Kind, als Wähler, als Schwarzer, als Homosexueller. Es geht nicht um die Befreiung zum Konsum, sondern um die Emanzipation zur Bildung, zur Chancengleichheit, zur Elite. Alle Elitetheorien sind gescheitert. Am lächerlichsten war es, eine bestimmte Hautfarbe oder Herkunft a priori zur Elite zu erklären, die Weißen, die Adligen, die Arbeiter. Das ist schwer zu erkennen, wenn man in einer dieser Gruppen feststeckt. Dazu braucht man einen Marques de Pombal oder Luther, darf aber nie vergessen, dass diese, außer dass sie Revolutionäre sind, auch vom Zeitgeist bestimmt sind und bleiben. Luther blieb Antisemit, Pombal ging über Leichen und erlaubte den soeben verbotenen Sklavenhandel nun für die aufstrebende Kolonie Brasilien.

Es machte wenig Sinn, wenn man in den Schulen das Fach Revolutionskunde einführte. Schon sinnvoller lehrbar erscheint aber der Gedanke der Innovation, den wir uns immer noch zu sehr technisch und ökonomisch vorstellen. Wir lernen in der Schule nicht nur die Kulturtechnik des Schreibens, sondern auch, Texte zu verfassen. Hunderte von Jahren wurde die Schrift selbst als Gegenstand des Lehrens und Lernens betrachtet. Texte, selbst die von Lehrern bestehen aber immer noch aus Textbausteinen und Analogien. Durch diese Einschränkung, so wird argumentiert, können auch beschränkte Schüler zu höherer Einsicht gelangen. Es ist eben viel mühseliger, für jeden Schüler, für jeden Menschen nicht nur einen Pfad zu finden, sondern seinen. Das Paradox ist, dass es, je mehr Menschen es gibt, auch desto mehr Wege geben müsste. Aber wir dürfen uns von Paradoxa und Rückschlägen nicht irritieren lassen.

Die Hassbotschaften in den Medien sind ärgerlich, aber auch vergänglich,  aber auch ein Ausdruck des gewachsenen Selbstbewusstseins. Es wäre doch merkwürdig, wenn Selbstbewusstsein nur in Kombination mit Gutmenschentum auftreten würde. Statt dessen gelingt es immer wieder, beide durch das Schüren von Ängsten zu schwächen. Darin war Luther mit seinem leibhaftigen Teufel leider auch ein Meister.

Warten wir auf den Feiertag, an dem auf einem Lutherdenkmal oder in Pombal ein bedenkenswürdiges Graffito steht.

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ERST BESITZEN UNS DIE ELTERN, DANN SIND WIR VON IHNEN BESESSEN

 

Variationen über ein eigenes Thema

 

Der Spielraum des Menschen ist nicht groß. Hat er viele Geschwister, so wird er zwar in ein meist wunderbar funktionierendes soziales Netz hinein geboren, aber sein Raum, Individualität zu entwickeln, ist naturgemäß klein. In klassischen Wohnungen früherer Zeiten war das meist unbenutzte Wohnzimmer, das fast nur der Repräsentation und Weihnachten oder Bayram diente, stets viel größer als das Kinderzimmer. Die Kinder, dachte man, sind doch noch klein, sie benötigen keinen Raum. Die Hierarchie zwischen Kindern und Eltern war eindeutig und verkehrtherum.

Auch das Gefüge zwischen Eltern und Kindern ist komplexer als es durch den Begriff der Hierarchie abgebildet werden kann. Lange Zeit nahm man an, dass Hierarchie eine natürliche Ordnung sei, wie überhaupt alles, was war, für natürlich, alles andere, was nicht in das Raster passte, für widernatürlich erklärt wurde. Erst im neunzehnten Jahrhundert begann man zu ahnen, dass Hierarchie eine Herrschaftsstruktur, keinesfalls aber eine natürliche Ordnung sei. Lange hielt sich noch der Aberglaube von den Alphatieren. Erst spät entdeckte man die Schwarmintelligenz, das Verhalten als Orientierung. Konrad Lorenz beschrieb bis dahin für ewig gehaltene Muster (‚Mutterinstinkt‘) als Verhalten, dessen Impuls angeboren, dessen Ausführung weitgehend zufällig ist. Seine kleinen Enten folgten dem Fernlenkspielzeugauto. Und bei jedem Schritt der Weltentdeckung riefen die Traditionalisten, dass man die Welt zerstören wolle, und sie meinten ihr Weltbild.

Eltern und Kinder hängen also nicht hierarchisch zusammen, obwohl der erste Eindruck so ist. Das ebenfalls von Konrad Lorenz beschriebene Kindchenschema lässt von vornherein auch fremde Eltern zu, die Extremfälle sind und bleiben Wölfe als Menscheneltern und Menschen als Wolfseltern. Das spannungsvolle Verhältnis zwischen Menschen und Wölfen scheint in die später durch Domestikation erlebte Symbiose hinzuführen. Die Verlängerung des menschlichen Lebens erst zeigte, dass die falsch gedachte Hierarchie sich gänzlich umkehrt. Alte und pflegebedürftige Menschen hat es zwar schon immer gegeben, aber nicht in dieser großen Anzahl. Aber es scheint nicht nur um die symmetrische Aufgabenumkehrung zu gehen.

Ganz ohne Hierarchie, selbst bei revolutionärster Ablehnung sind mehr Väter und Mütter in uns als uns lieb und förderlich sein kann. Die Natur oder Gott, beide jedenfalls weiser als die Traditionalisten und Oberinterpretierer und Dauerbesserwisser, haben Kontinuitäten und Diskontiniutäten eingebaut und zugelassen, die sowohl den Fortbestand als auch die Fortentwicklung, Sesshaftigkeit und Nomadentum, Aussterben und Neugeburt, auch Renaissance oder Reinkarnation genannt, ermöglichen.

Wenn wir uns eine Familie mit sieben Kindern und zwei Eltern vorstellen, dann hat jedes Kind den genetischen Baukasten der Eltern zu Verfügung, aber er hat nicht nur zwei Bestandteile, sondern tausend mal tausend mal tausend. Ein Teil, der kontinuierliche, wird auf biotischem Weg weitergegeben, der diskontinuierliche Teil wird sozusagen ausgesucht. Selbst eineiige Zwillinge sind nicht identisch, obwohl es oft, auch ihnen, so erscheint.

Die Spannungen und Entspannungen zwischen den Eltern und den Kindern sind auch jeweils differenziert und tragen zur Auswahl oder Ablehnung, Verstärkung oder Abschwächung bei.

Nicht zu unterschätzen sind die gesellschaftlichen Rollen, der Zeitgeist. So ist die Vaterrolle nach fünftausend Jahren Patriarchat inzwischen die fragilste und umstürzendste geworden. Hier drängt sich die Metapher des großen Krieges auf: Der letzte große Krieg war die letzte große Jungmännerermordung, aber auch Kinderermordung, nach dieser kehrte sich das Vaterbild radikal um. Demografisch spielt das übrigens keine große Rolle.

Die großen Erzählungen von Vätern und Söhnen sind, sofern sie von Opfern reden, wie bei Ikarus, Isaak (Ismael) oder Jesus, getreue Abbilder der Vorstellungen der jeweiligen Zeit und nicht umgekehrt. Allerdings steht zwischen uns der Provenienzstreit, also die Frage, woher das Narrativ eigentlich kommt. Eine Ausnahme und damit ein möglicher Neubeginn scheint das Gleichnis vom verlorenen Sohn zu sein (Lukasevangelium, Kapitel 15). Es ist schon deshalb bemerkenswert, weil es viel mehr verlorene Väter gibt und man lange davon ausgegangen ist, dass dies auch besonders schädlich für die Entwicklung der Kinder ist. Demgegenüber zeigt das Gleichnis vom verlorenen Sohn die Beschädigung des Vaters. Es zeigt die Abhängigkeit des Vaters von seinen Söhnen, es zeigt, dass der Autor nicht von einer Hierarchie ausgegangen ist. Allerdings gibt es für eine so alte Geschichte sehr viele Interpretationen, und keine sollte den Anspruch auf Alleingültigkeit erheben. Aus der Geschichte geht auch nicht eindeutig hervor, ob der Sohn wegen seiner Armut zurückkehrt oder wegen seiner Sehnsucht. Vielmehr wird die Sehnsucht als Erinnerung dargestellt. Wir sehnen uns immer nach idealen Zuständen, ohne sie je gehabt zu haben oder erreichen zu können. Trotzdem bleibt das Paradies eine Vorstellung, die gleichzeitig in die Vergangenheit wie in die Zukunft verlegt wird.

Das Missverhältnis oder, besser gedacht, das gedachte Missverhältnis zwischen Kontinuität und Diskontinuität ist es , das uns Sorgen macht. Wir leiden genauso darunter, wenn wir unseren Eltern zu ähnlich sind wie unter der vermeintlichen zu großen Entfernung von ihnen. Vielleicht ist es ein ähnliches Verhältnis wie zwischen Sesshaftigkeit und Wanderung: wenn wir an einem Ort sind (‚Heimat‘, ‚Verbannung‘), wünschen wir uns fort, sind wir in der Fremde (‚Urlaub‘, ‚Flucht‘), wünschen wir uns nachhause. Dazwischen gibt es Kult und Tradition, Drogen und Kunst, Sehnsucht und Sicherheiten. Wirklichkeiten werden behauptet, aber wer sie nicht benennen und analysieren kann, sollte vorsichtig mit ihnen umgehen. Wohl dem, der eine Großmutter hat (zitiere ich meine Großmutter), die noch jede Wirklichkeit in das schönste Märchen umdeuten und umdichten kann und uns damit mehr Richtung gibt, als alle Traditionen und Wegweiser und Wirklichkeiten zusammen. Vielleicht gehen wir ein Leben lang mit den Geschichten unserer Großmütter schwanger.

DIE WELT IST AUS DEN FUGEN

Nr. 210

Die Welt ist nicht aus den Fugen. Auf der einen Seite war sie noch nie ‚in den Fugen‘, auf der anderen Seite sagt diesen berühmten Satz eine Kunstfigur, ein Zauderer mit Atemnot, der sich noch nicht einmal für die Frau entscheiden kann, die ihn liebt. Er schickt also sie in den Wahnsinn und die Welt in das Chaos. Aber da ist die Welt schon. In dem berühmten Theaterstück werden Politiker gezeigt, die damals mit Mord und Totschlag, heute mit Filz und Fake ihre kleine Politik besserwisserisch durchsetzen wollen, nicht weil sie besonders schlecht und böse wären, sondern weil sie Menschen sind wie du und ich. Aber wir, die Konsumenten von Politik, sind andere geworden. Wir sind keine Analphabeten mehr, weder im wörtlichen noch im übertragenen Sinn. Wir sind keine unmündigen Elemente eines zwar funktionierenden, aber doch hierarchisch-autoritären Systems. Das nächste ABER muss gleich folgen: und autoritäre und hierarchische System funktionieren nur soweit und solange ihr Zusammenbruch mit drastischen Strafen vorweggenommen und gleichzeitig verhindert wird. Wer das System bedroht, wird bedroht. Dadurch verrohen die, wie Rousseau meinte, anfangs idealen Sitten. Die Demokratie versucht nun das Gegenteil, sie macht die Menschen nicht nur mündig, sondern auch zu Produzenten der Verhältnisse. Allerdings stößt sie dabei auf fast gleich erbitterte Widerstände wie seinerzeit und seinesorts der Autoritarismus. Gegen ihn richtet sich der Freiheitswille des Individuums, den man an jeder Stubenfliege am Fenster beobachten kann, an jedem Käfer. Gegen die Freiheit der Demokratie richtet sich der Ordnungszwang, dem wir ebenso unterliegen. Wir glauben, und alle Religionen und Philosophien bestärken uns in diesem Glauben seit Jahrtausenden, dass die Welt ursprünglich oder eigentlich geordnet, aber durch den bösen Willen und Unverstand immer wieder ins Chaos abzurutschen gefährdet sei. Das ist der Grund, warum sich jede Ordnung, sei sie nun autoritär oder liberal, für alternativlos erklärt. Das gilt im übrigen auch für Texte. Man könnte keine Politik machen, wenn man an Alternativen glaubte. Wenn man sich alte Bundestagsdebatten anhört, dann kann man das sehr schön illustriert finden: jeder Redner – zum Beispiel Strauß und Wehner – geht zwar auf die Argumente der anderen Seite ein, aber nur, um festzustellen, dass lediglich die eigene Politik das Problem lösen kann und wird.

Es gibt allerdings zwei Auswege, die sich natürlich, wie alles auf der Welt, überschneiden und nicht etwa unversöhnlich gegenüberstehen. Das Wort unversöhnlich scheint einen gemeinsam Sohn doch nur auszuschließen, denn praktisch, das weiß jeder, gibt es, wo Menschen aufeinander treffen, immer auch Söhne und Töchter. Der erste Ausweg ist ein charismatischer Führer. Führer scheuen Diskurs. [Arbeitshypothese: Könnten die Führer die Lösung sein, wenn sie den Diskurs zuließen?] Sie demonstrieren ihre Macht und glauben, dass jedes Problem mit ebendieser Macht zu lösen sei. Aber die Macht ist nur eine taube Nuss, ebenso wie das Talent, wenn es keinen Inhalt, keinen Fleiß, kein Abarbeiten der Einzelfälle gibt. Es hilft selbstverständlich nicht, wenn die Menschen nur in Gruppen eingeteilt werden: Freund und Feind, innen und außen, schwarz und weiß. Das Charisma des Führers erlaubt die einfachen, unglaubwürdigen Lösungen. Aus Erfahrung weiß man eigentlich, dass es nicht geht. Alle autoritären Gesellschaften verweisen deshalb auf die Weisheit des Führers oder der führenden Gruppe, bei aller Rechthaberei oder Besserwisserei, wer bezeichnet sich selbst schon als weise? Darauf setzt die Autorität. Sie glaubt, dass sie nur durch Gegengewalt gestürzt werden kann. Tatsächlich aber haben sich alle Diktaturen durch ihre Inkompetenz selbst gestürzt. Das Hitlerreich hat die eigenen Kirchtürme bombardiert, um nicht zugeben zu müssen, dass es zurecht verlor, das zusammenbrechende Sowjetreich hat, hier bei uns, alles was nicht niet- und nagelfest war mitgenommen, wohlwissend, dass es in die Armut zurücktorpediert würde. Putin bombardiert Syrien, um zu verdecken, dass es im eigenen Land durch eigene Schuld weder Äpfel noch Käse gibt.

Diskurs scheut Führer. [Arbeitshypothese: Könnte der Diskurs die Lösung sein, wenn er Führer zuließe?] Der Diskurs demonstriert eher die Unmöglichkeit, ein Problem zu lösen als die Möglichkeit. Den Kompromiss empfinden viele Menschen als Schmach. Es ist schwer einzusehen, dass man selbst nicht recht hatte oder nichts zur Lösung beitragen konnte. Das Ausdiskutieren jedes Problems dauert manchmal Generationen. Deshalb sehnen sich die Menschen in diskursiven Systemen so oft nach Ordnung, Charisma, vielleicht einfach nur Anhaltspunkten. Eine Demokratie ist also schlecht beraten, immer wieder aufs neue, aus Kostengründen, wegen der Rationalität oder aus anderen Gründen, Ordnungen zu beseitigen. Demokratie ist ohnehin schon schwer zu verstehen, wenn dann auch noch die Kreisverwaltung schließt oder der Name des Heimatortes in eine anonyme Bezeichnung geändert wird, verlieren die Menschen Vertrauen und Orientierung.

Viele vermuten daher als Urheber von Ereignissen einen Masterplan oder sogar eine Weltherrschaft. Der Prinz in unserem Titelzitat beklagt nicht etwa, dass die Welt aus den Fugen, sondern dass ausgerechnet er dazu berufen sei, sie wieder in Ordnung zu bringen. So gesehen sind wir alle Egoisten. Wir glauben, dass wir gemeint sind. Wir können uns nicht für anonym halten, weil wir einen Namen haben. Wir haben einfach vergessen, dass wir, um einen Namen zu haben, uns erst einen Namen machen müssen. Wer aber in der Demokratie seine Namenlosigkeit beklagt, wie will der in der Diktatur glücklich werden? Er kann nur erfolgreich sein durch den Ausschluss anderer, und das verbietet nicht nur die Menschlichkeit, sondern das verbieten auch alle Religionen und Philosophien, allerdings im Kleingedruckten. Der Preis des Sieges ist das, was man nicht hören will. Niemand lässt sich gerne belehren von Menschen, die unter ihm stehen. Wie soll er da verstehen, dass niemand unter ihm steht.

Die Welt ist nicht aus den Fugen. Sie verbessert sich nur langsamer, als wir gehofft haben. Niemand ist allein berufen, die Welt zu verändern. Keiner kann allein die Probleme der Menschheit lösen. Nur der Diskurs selbst ist alternativlos, allerdings sollte er das Charisma zulassen. Charismatiker sollte man weder erschießen oder ans Kreuz nageln, weil man niemanden erschießen oder kreuzigen darf, noch unterdrücken, weil man niemanden unterdrücken sollte, noch nach ihrem Tod diskreditieren, weil man keinem Toten Schlechtes nachreden muss, denn man kann ihn nicht mehr ändern.

Vielmehr müssen wir lernen, den Diskurs und das Charisma auszuhalten. Unsere Medien sind nicht unsere Kompetenz, sondern nur unser Krückstock.

WEHRKRAFTZERSETZUNG

Nr. 209

Hätte es mehr Menschen gegeben, die an der Zersetzung der Wehrkraft gearbeitet hätten oder arbeiten würden, so gäbe es weniger Gewalt, Krieg, Bürgerkrieg, Unterdrückung und Diktatur. Diese Erkenntnis ist so trivial, dass man sich kaum traut, sie aufzuschreiben. Merkwürdigerweise gibt es aber immer noch und immer wieder Menschen, die das Wort im nationalsozialistischen Sinn verwenden, von der AfD bis zur katholischen Kirche in einer sogenannten Morgenandacht [NDR kultur 5.September 2016, 8.50 Uhr].

Sprache verändert sich, Sprache ist selten authentisch. Mit der Zunahme kommunikativer Mittel scheint die Deckungsgleichheit von Sprache und Zeitgeist zuzunehmen. Der Raum für individuelle Sprache ist, obwohl immer mehr Menschen schreiben, reden und chatten, fast nur noch professionellen Schreibern vorbehalten. Aber vielleicht war das schon immer so und wird oder wirkt nur jetzt verstärkt? Auch formal ändert sich die Sprache innerhalb eines Menschenlebens. In den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts gab es in der geschriebenen Sprache noch das Dativ-e, ältere Menschen sprachen es auch noch mit, aber vielleicht nur in Zitaten. Heute weiß keine Mensch mehr, was das ist. Und es ist auch nichts anderes, als eine verzichtbare grammatische Tradition, genauso wie der Genitiv, der gerade verschwindet. Und es sind keineswegs Migranten, die solche Sätze sagen oder schreiben: ‚wir gedenken den Opfern‘, ‚aus allen Herren Länder‘. Anglismen werden eingedeutscht oder unverdeutsch übernommen, wie seinerzeit Franzismen oder Latinismen, auch war es einst Mode zu gräzisieren: Melanchton nannte sich da ein Herr Schwarzerdt. Das alles sollte uns nicht beunruhigen.

Wie aber kommt es, dass sich völlig unsinnige Wörter und idiomatische Ausdrücke aus der Nazizeit halten? Nur wenige Menschen glauben inzwischen an ‚Rasse‘ und ‚Rassenunterschiede‘. Qualitative Unterschiede zwischen geografischen Menschengruppen konnte man nur Menschen vermitteln, die nicht nur in ihrem Nationalstaat eingesperrt waren, sondern in ihrer Mehrheit nicht über die Kreisgrenzen hinauskommen konnten. Globalisierung und weltweite Migration stoßen nicht nur an die Staatsgrenzen, sondern auch an die Grenzen der Engstirnígkeit. Man hat Menschen nicht ‚aus rassischen Gründen ermordet‘, sondern man hat Menschen ermordet. Dafür gibt es keine Gründe. Es gibt auch keine Rassen. Wir nehmen einmal einen legalen Fall. Ein Mnesch wird nach geltendem Recht zum Tode verurteilt. Der Staatsanwalt, der Richter und sein Henker sind Christen. Wer hat ihnen erlaubt, einem staatlichen Gebot zu folgen, das einem christlichen Verbot zuwiderlief? Natürlich ist es unproduktiv, über die Menschen der Vergangenheit zu urteilen. Es geht auch nicht um die Vergangenheit und die Verurteilung, sondern darum, dass wir uns begrifflich und sprachlich nicht von der Vergangenheit lösen können. Wir sprechen weiter von ‚Rassenwahn‘, ‚Rassismus’, ‚rassischen Gründen‘ und ‚Wehrkraftzersetzung‘, obwohl wir wissen oder wissen könnten, dass mit all diesen Worten tausende und abertausende Menschen umgebracht wurden. Vielleicht sterben diese Worte einfach aus, wenn die Menschen von der Erde gehen, die sie noch benutzen und verstehen? Obwohl wir die Lösung des Problems nicht wissen, erscheint uns der die Vorstellung, dass es eine reine Generationenfrage ist, zu einfach.

Es scheint vielmehr mit diesen Worten wie mit den Waffen zu sein. Wir können sie nicht aus der Hand legen. Wir glauben sie nicht aus der Hand legen zu können, weil dann die Welt zusammenbricht. Es könnte sein, dass an den Worten doch mehr ist, als die jetzige Modernität uns glauben machen will. Es könne sein, dass wir ohne diese Waffen und Worte hilflos dastehen. Sicher gibt es noch mehr Möglichkeiten, die Welt auf den empirischen Kopf zu stellen. Selten wird das Umgekehrte überprüft: Waffen und Worte können nicht nur töten, sondern haben schon millionenfach getötet. Der Mensch, wenn er glaubt, dass sein Gedanke, sein Glaube, sein Führer, sein Wort richtig ist, nimmt die Waffe und tötet seinen Bruder und seine Schwester. Der Brudermord ist eine der ältesten Parabeln. Die Sprachverwirrung als Strafe für Hybris, nationalen Wahn, übrigens auch Bauwahn, ist vergessen. Wenn aber der Google-Übersetzer die Antwort des modernen Menschen auf den Babel-Mythos sein sollte, dann stünde es schlecht um uns. Nein, die Antwort auf Babel sind die unzähligen Erzählungen, die sich weltweit verbreiten und die weltweit verstanden werden. Allerdings spielt die Hälfte von ihnen immer noch mit den Waffen und Worten der Vergangenheit. Dass die Matrix der Erde doch die Liebe sein könnte, lässt sich in den Geschichten der Gegenwart nur erahnen. Da hat sich nicht alles so radikal geändert, wie man es sich wünschen würde. Allerdings wird das schnelle Zusammenwachsen der Menschheit, die Überwindung der Aliteralität, die weitere Zunahme und Erhöhung der Geschwindigkeit der Kommunikation dazu beitragen, dass die aggressiven Züge menschlichen Miteinanders abnehmen. Der gegenwärtige Focus der medialen Berichterstattung verzerrt das Bild der tatsächlichen Verhältnisse. Die berechtigte Empörung über die Verletzung zunehmend akzeptierter pazifistischer Sichtweisen lässt die Verletzung selbst als vergößert und sogar zunehmend erscheinen. Gleiches gilt übrigens auch für den Hunger: während er abnimmt, erhöht sich die Empörung über die verbleibenden Opfer. Dadurch dass wir alles wissen können, können wir uns über so vieles empören. Tun wir das ein paar Jahre lang, so erscheint uns die Welt als wirklich schlecht und immer schlechter. Viele dieser Empörungen fangen so an: ‚in Zeiten wie diesen‘, was nichts weiter als eine nichtssagende Tautologie ist, oder mit dem berüchtigten ‚heutzutage‘, was erstens den Vergleich mit gestern heraufbescwört, also eine gewisse empirische Weisheit, andererseits aber auch wieder unterstellt, dass alles schlechter wird. Trotz der Allgegenwart und Beinahe-Omnipotenz der Kirche gab es früher, bis zum und vor dem neunzehnten Jahrhundert, Verbrechen gegen das Eigentum, die körperliche Unversehrtheit und das Leben. Der Staat selbst beteiligte sich munter an der Verstümmelung seiner Untertanen und glaubte wohl wirklich an das Bett des Prokrustes. Die Priester sahen grinsend zu und freuten sich an der Durchsetzung einer, wie sie meinten, göttlichen Ordnung von Mord und Totschlag, Krieg und Gewalt.

Die Waffen aus der Hand zu legen scheint, wie man dieser Tage im Sicherheitsrat der UNO sehen kann, schwerer als schwer zu sein. Die Macht hält sie mit blutiger Hand fest. Aber Worte sollten leichter wegzuwerfen sein, wenn sie ihre Untauglichkeit mehr als erwiesen haben. Sie schaden, wenn man sie weiter benutzt, der Verständigung. Sie machen glauben, dass die Welt sich nicht aus dem unseligen Dreigestirn, das bei dem Propheten Jeremia zum erstenmal steht, Hunger, Krieg und Pest, befreien und emporwinden kann. Aber lies weiter:

Wie murren denn die Leute im Leben also? Ein jeglicher murre wider seine Sünde! Klagelieder Jeremias 339

WER NICHT HÖREN WILL

 

Nr. 208

Die schrecklichste Vergeltungsaktion hat gerade ihren fünfundsiebzigsten Gedenktag, und wir sollten sie nicht vergessen und dafür aber das Prinzip, das bis damals – und in vielen Teilen der Welt auch noch heute – allgemein akzeptiert wurde. Gegen die deutsche Besetzung der ukrainischen Hauptstadt Kiew gab es erheblichen Widerstand, dem einige hundert deutsche Besatzer zum Opfer fielen. Daraufhin beschlossen SS und Wehrmacht, als Vergeltung dafür alle verbliebenen Menschen jüdischer Herkunft zu erschießen. Das geschah dann auch um den Rosh Haschana Feiertag, an dem sich die Menschen sicher fühlten. Die Anordnung, der die Menschen folgten, lautete auch nicht auf Erschießung, sondern auf Umsiedlung. Sie wurden in eine Schlucht getrieben, die damals am Rande der Stadt lag: Babi Jar, Weiberschlucht. In sechsunddreißig Stunden wurden von deutschen betrunkenen SS-Männern, Polizisten und Wehrmachtssoldaten 33.771 Menschen erschossen. Von der Wehrmacht wurden danach die Wände der Schlucht gesprengt. Bis 1943 wurden in dieser Schlucht noch einmal doppelt soviele Menschen wie in den ersten beiden Tagen ermordet. Viel später, am 13. März 1961, kam es zu einer Flutkatastrophe, weil die Stadt Kiew versucht hatte, das Gelände zu nutzen, durch die Schneeschmelze rutschte aber die aufgefüllte Schlucht in ein Wohngebiet, zweitausend Menschen starben. Der Dichter Jewgenij Jewtuschenko, damals eine Ikone der jungen sowjetischen Poesie, beklagte in einem weltberühmt werdenden Gedicht, dass es noch nicht einmal ein Denkmal in Babi Jar gab. Dmitrij Schostakowitsch vertonte das Gedicht zum Unmut der Sowjetbehörden, die gerade begannen, den Stalinterror aufzuarbeiten, in seiner XIII. Sinfonie. In John Littells Roman DIE WOHLGESINNTEN wird das Massaker aus der Sicht der SS dargestellt. Jeder, der bis dahin an die Rechtmäßigkeit von Strafe und Vergeltung geglaubt hat, müsste eigentlich jetzt wissen, dass dieser Gedanke oder besser diese Gedankenlosigkeit auf einem doppelten Irrtum beruht.

NUR DIE HÖRTEN, MUSSTEN FÜHLEN:

Кто из жидов не выполнит этого распоряжения и будет найден в

другом месте, будет расстрелян.

 Babi Jar, 29. September 1941*

 

 

Überall, wo Menschen aufeinander treffen, versuchen sie, sich mit Überzeugung, Empathie und Liebe auf den im Moment als richtig erkannten Weg zu bringen. Dass es aber gerade in der generationsübergreifenden Erfahrungsweitergabe immer wieder zu Problemen kommt, zeigt sich in den jahrtausendalten Forderungen nach Strafe oder in der ebensoalten Resignation der jeweils anderen Seite. Allerdings stehen dem Menschen, wie allen Lebewesen, immer mindestens zwei völlig entgegengesetzte Strategien zur Verfügung: Anpassung und Widerstand. Oftmals erreichen beide so ziemlich dasselbe. Der gleiche Widerspruch scheint der zwischen Sesshaften und Nomaden zu sein. In einem geschlossenen System wird dabei der Sesshaftigkeit nicht nur der Vorzug gegeben, sondern sie wird zum Fortschritt erklärt. Wenn man aber den heutigen Wohlstand der sesshaften Industrienationen als Fortschritt gegenüber den verbliebenen Nomaden, also etwa Massai, Tuareg oder Roma, bezeichnet, dann muss man alle Kriege, alle Zivilisationskrankheiten, die Klima- und die Umweltkatastrophe ausblenden. Erst eine von Hunger, Pest und Krieg bereinigte Geschichtsbetrachtung zeigt den Vorteil des heutigen Zivilisationstyps gegenüber den Nomaden. Damit ist noch nichts über das Glück gesagt. Ein großer Teil der Menschen in den reichen Ländern leidet unter Adipositas, Herzkreislauferkrankungen oder psychischen Problemen. Die hohe Selbstmordquote der Inuit in Grönland ist ausschließlich auf das unglückliche Zusammentreffen der heutigen sesshaften Wohlstandsideologie mit einer traditionellen Lebensweise zurückzuführen.

Nirgendwo ist das Verbrechen wirkungsvoller bekämpft worden als in den Wohlstandsdemokratien durch Strafminderungen, Wiedereingliederungen und vor allem durch die Abschaffung der drastischen Strafen wie Amputationen oder Tod. Allerdings muss man bedenken, dass es in den traditionellen Gesellschaften, aber auch in den Diktaturen kaum Statistiken gab oder gibt. Wir beschäftigen uns erst seit zweihundert Jahren wissenschaftlich mit dem Verbrechen oder Versagen. Auf der anderen Seite gibt es erst eine Gesellschaft in der ganzen Weltgeschichte und Weltgegenwart, die das Glück der Menschen zum Maß aller Dinge gemacht hat. Wir selbst rechnen eher mit Wohlstand und Wachstum, in den von uns abgelehnten Reichen sehen wir Unterdrückung, Erschießung und Straflager, aber das Glück wird bisher nur in dem kleinen Himalayaland Bhutan als ökonomischer und politischer Messwert anerkannt. Der junge König Jigme Singye Wangchuk wurde nach dem sicher unerheblichen Bruttosozialprodukt von Bhutan gefragt und reagierte spontan mit der Ausrufung des Gross National Happiness, des Bruttonationalglücks. Im gleichen Jahr heiratete er vier Schwestern einer mit dem Königshaus traditionell verfeindeten Familie. der Streit wurde durch die glückliche Ehe beendet. Der König trat 2006 mit einundfünfzig Jahren zugunsten seines sechsundzwanzigjährigen Sohnes, des Kronprinzen, zurück.

Alle Religionen und Philosophien betonen die Relativität des Menschen, seine gleichrangige Beziehung zu seinen Mitmenschen. Niemand kann also einen anderen Menschen strafen oder gar töten. Der berühmte Satz von Rousseau, dass zwar alle Menschen frei geboren würden, aber dennoch in Ketten lägen, trifft auch hier zu. Alle Menschen werden nicht nur frei, sondern auch gleich geboren, und trotzdem begründen sich immer wieder Hierarchien und entstehen Theorien zu Hierarchien. Selbst die unsinnige Volksphilosophie ‚Geld regiert die Welt‘ konstruiert eine Ungleichheit. Immer wieder setzt uns die Frühzeitigkeit der besseren Erkenntnis in Staunen: schon Voltaire wusste, was aus Papiergeld stets wird, das nämlich, was es schon immer ist: 0. Der Mensch wird von seiner Mutter geboren, die nur dadurch zur Mutter wird, dass sie den Menschen gebiert. Aber kaum ist er auf der Welt, steht schon ein von Machtfantasien geblendeter Vater mit dem Knüppel bereit, wenn er den neuen Menschen nicht schon vor dem Schlagen auf den Müll geworfen hat, wie bis zum Mittelalter üblich. Deshalb ist die dritte Komponente, die Brüderlichkeit, die wir heute besser Geschwisterlichkeit nennen, neben der Freiheit und der Gleichheit, relevant wie nie zuvor.

Deshalb ist jede moderne Gesellschaft, die die Würde jedes Menschen schützt, so hoch zu achten, trotz mancher traditioneller und neuer Fehler. Diese modernen Gesellschaften, in denen wir leben, lösen sich langsam von einem weiteren, immer überflüssiger werdenden Ordnungsprinzip, dem Nationalstaat. Sein Verschwinden wird genauso bitter empfunden, wie jedes Verschwinden von Irgendetwas. Die Annahme, dass ein Vater uns prügeln kann, wenn wir nicht hören, ist einige tausend Jahre lang für ein Naturgesetz gehalten und selbst vom weisen Salomo kolportiert worden. Die Hypothese, dass Mann und Frau zwei völlig verschiedene, sich auch qualitativ krass unterscheidende Wesen wären, ist zuungunsten der einleuchtenderen und wahrscheinlicheren, aber auch spät (Euler- oder Venndiagramm) entdeckten Theorie der Überschneidungen und Komplemente ebenfalls lange Zeit als unumstößlich angesehen worden. Bis in die Gegenwart reicht die Vorstellung, dass Menschen mit einer anderen Hautfarbe auch eine andere Achillessehne (oder irgendetwas anderes anderes) haben müssten oder wenigstens könnten. So ist es aber nicht. Wir haben alle die gleiche Achillesferse.

 

Foto: Mishanju

  • ‚Wer von den Juden dieser Aufforderung nicht folgt und sich an einem anderen Platz aufhält, wird erschossen.‘