DEFORMATION UND REFORMATION

 

Wenn Martin Luther Kardinal geworden wäre, gäbe es heute keine Waschmaschine. Aber an der Waschmaschine klebt ein kleines Schild: wer den Papst, die Juden und die Türken zu Feinden erklärt, hat Yesus nicht verstanden. Denn nur wer seine Feinde liebt, hat keine. Das Argument, dass man stürbe, wenn man sich nicht verteidigte, gilt ja wohl noch viel mehr, wenn man sich verteidigt. Der dreißigjährige Krieg, auch eine Folge von Luther, ist aber zugleich auch der Beginn der Diplomatie und Europas. Schade, dass es wieder einer Wahrheitssekte bedurfte, um zu mehr Freiheit zu kommen. Aber gilt das gleiche nicht für das Automobil, das auch gleichzeitig Weg und Unweg ist? Weder ist Gott eine Burg noch ist das Automobil die Freiheit, wenn es auch noch so viele glauben wollen. Solche Jubiläen wie ‚500 Jahre Reformation‘ verstärken auch immer die Inflation der Begriffe und führen dazu, dass man glaubt, die nächsten 500 Jahre nichts mehr davon hören zu können. Das Schicksal aller Innovatoren, selbst zu veralten und selbst zur Ikone zu werden, teilt Luther seit er auch Symbol bittersten Nationalismus wurde. Das beste Buch über Luther schrieb übrigens Feridun Zaimoğlu aus Kiel. Veränderungen sind weder gut noch böse, sondern haben tausend Seiten.

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