DER TOTEN STADT BESTES

 

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Er wolle, sagt der Bürgermeister, der Stadt Bestes tun. Aber was ist für eine Stadt gut oder sogar noch besser oder sogar das Beste? Wir wissen es genauso wenig wie der Bürgermeister. Aber wir waren in der Stadt und halfen Hilfebedürftigen. Dabei parkten wir falsch. Wieso falsch? Der Parkplatz war genauso leer wie die Stadt, kurz vor tot. Die Coronakrise hat nur das verstärkt, was ohnehin schon da war: so gut wie nichts. Also wir stellten unser Auto auf einen absolut leeren Parkplatz. Da war nichts, vielleicht noch ein oder zwei andere Autos. Menschenleere. Stille. Halt, nein, da war eine grinsende Frau. Wie grinste sie denn? Triumphierend. Sie grinste triumphierend und hatte einen Notizblock in der Hand.  In dem Wort Ordnungsamt finden sich zwei absolute Stillstandsanzeiger; Ordnung und Amt. Wenn du eine Sardinenbüchse öffnest, siehst du Ordnung. Wer sortierte die Sardinen? Das Amt für Sardinenordnung nach der ersten Ausführungsanordnung des Gesetzes zur Sardinenlegung in enger Zusammenarbeit mit dem Zentralamt für Sardinenfang und -tötung. Aber wahrscheinlich töten sie sich selbst. Der Bürgermeister hat vielleicht keinen Sinn für Freiheit, aber du hast keinen für Satire. Möglicherweise sind diese blauen Karten in Bochum erfunden worden, weil die Menschen in ihrer Not auf den Supermarktparkplätzen Rettung suchten. Möglich, aber was beweist das? Das zeigt, von beweisen möchte ich nicht sprechen, dass in toten Städten solche Ordnungen mehr als überflüssig sind. Du meinst, die toten Orte sollten froh sein, wenn jemand kommt? Ich will nicht gerade von Blumensträußen reden, aber ein bisschen Freundlichkeit und Freiheit wäre angezeigt.

Man könnte doch die Ordnungsamtsbeamten dafür einsetzen, die Müllcontainer in den Neubaugebieten zu bewachen. Oder die Nazischmierereien von den Eisenbahnbrücken zu entfernen. Ich ahne, was der Bürgermeister antworten wird, wenn wir ihm das vorschlagen. Wenn! Er wird sagen: das ist keine Eisenbahnbrücke, es ist die Brücke der Kreisstraße über die Eisenbahnlinie, also sind wir doppelt nicht zuständig. Außerdem können wir nichts dafür, dass Nazis – woher wollen Sie überhaupt wissen, dass es Nazis sind? – unsere schönen weißen Wände beschmieren. Wer weiß, wo die herkamen, die sie als Nazis beschimpfen.

Der Unterschied, wird der Bürgermeister sagen, zwischen den Verbrechern, die unsere schönen weißen Wände beschmieren und den Verbrechern, die ihre Parkkarte nicht ins Fenster legen, ist der, dass wir die einen haben und die anderen nicht. Außerdem bringt es Geld. Bei dem wenigen Verkehr in der fast toten Stadt kann es doch nicht mehr Geld sein, als die beiden grinsenden Ordnungsamtsaußendienst-mitarbeiterinnen kosten, einschließlich des Arbeitgeberanteils der Sozialversicherungsbeiträge? Immerhin, wird der Bürgermeister sagen, immerhin.

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