DIABELLI VARIATIONEN

 

Nr.386

Wann wird auch der Zeitpunkt kommen, wo es nur Menschen geben wird.*

 

Viele scheinen erneut dem Paradox zu unterliegen, dass, je enger ihr Blickfeld, desto größer ihre Navigation sei. Wer nicht über seinen Hof hinaus will, mag damit zufrieden sein. Aber auch er muss damit leben, dass ein Besucher, der seinen Hof zum ersten Mal sieht, eventuell mehr erkundet als er selbst. Genügsamkeit führt nicht weit, jedenfalls nicht auf der Orientierungsseite. Mit der Beobachtung verändern sich Gegenstand und Beobachter.

Rechte und Linke, so schreibt die NZZ diese Woche, bekämpften sich nicht mit Argumenten, sondern mit Identitäten. Man erkenne sich an seinen Insignien und an seinen Claqueuren.  Die Argumente seien ausgeleiert und abgenutzt, trotzdem sind die Kommentarseiten voller Varianten.  Wir leben nicht nur in einem erneuten Zeitalter der Besserwisser, sondern in der Epoche der unendlichen Wiederholung.  Nur dass nicht, wie in einer ideologischen Herrschaft, die Herrschaftsgrundsätze wiederholt werden, weil sie wiederholt werden müssen, sondern der nun plötzlich erlaubte Widerspruch.

Es hat den Politikern und Ideologen gefallen, dass so viele Menschen, obwohl das Sprechen schon erlaubt war, noch weiter schwiegen, so als sei das weiter geboten. Der unsägliche US-Präsident Nixon erfand deshalb auch die griffige Formel der schweigenden Mehrheit, die er statt als Zweifel als Zustimmung deutete. Da war es kein großer Schritt, den Beifall, den die Menschen dem Langredner Ceauşescu hätten versagen können, per Tonbandkonserve einzuspielen. Der römische Kaiser Nero hatte noch seine Claqueure handverlesen einkaufen müssen, gewann aber mit ihrer Hilfe auch die Olympischen Spiele.

Man könnte sagen, dass eine Gemeinschaft, die einzig Brüderlichkeit als Ideal hätte, Ungleichheit, Hierarchie und ein elitäres Bewusstsein schon deswegen förderte, weil dieses geschlechtsspezifische Ideal nicht ist als die Abbildung der alten Ordnung: des Patriarchats. Wenn also der aufgeklärte Schiller dichtet, dass alle Menschen Brüder werden, dann meint er keinen Männerverein. Er meint das Herauswachsen einer Gleichheit, der angeborenen Gleichheit nämlich, aus der Ständegesellschaft. Wenn dagegen der verbrecherische Männerverein SS auf seine vergänglichen Steine meißelte, dass seine Ehre Treue heiße, dann ist die Ehre eine nur kollektiv zu erlangende Würde und die Treue eine über allen verstand erhobene Loyalität. Bis auf die Ehre sind das aber alles Elemente der menschlichen Existenz. Ehre dagegen ist ein Festhalten an einer Herkunftsgruppe, die dem Individuum kein Einzeldasein gestatten will. Diese Gruppe kann ein Land, eine Religion, eine Soldateska, eine Räuberbande sein. Brüderlichkeit ohne weitere Attribute bezieht sich also auf die Herkunft.  Jede moderne Gesellschaft dagegen versucht die Würde des Einzelnen zu schützen, gar für unantastbar zu erklären. Auch das bleibt ein Ideal. Aber es gibt dem kleinen Individuum endlich einen großen Raum, für den es allerdings eine Orientierung braucht, die weit über den Dualismus hinausgeht.

Auch die Gleichheit bleibt für sich genommen hohl. Wir haben miterlebt, egal auf welcher Seite des Zauns, dass die bloße Erklärung der Gleichheit die jahrhundertealten Vorurteile und eingeübten Hierarchien nicht nur nicht beseitigen kann, sondern sogar noch befestigt.  In Rumänien gab es Supermärkte, in denen in sieben Reihen Regalen zwei Artikel, zum Beispiel Marmelade und saure Gurken, zum Kauf angeboten wurden, während in der Hauptstadt Bukarest ganze Stadtviertel weggeschoben wurden, um dem größten Haus der Welt Platz zu machen, das da tatsächlich auch steht. In der Hauptstadt der Côte d’Ivoire. Yamoussoukro, steht ein etwas größerer nachgebauter Petersdom aus Rom, Notre-Dame-de-la-Paix, mit dem der Diktator seine Schande bedecken wollte, obwohl fast die Hälfte der Menschen in diesem Land weniger als 250 € im Jahr verdienen. In der Megastadt Bejing, früher Peking, steht eines der höchsten Gebäude der Welt. Sieht man hinunter, so sieht man nur dem Smog, den man unten sieht, wenn man aufblickt.

Brüderlichkeit kann nur mit der Gleichheit kombiniert werden, und beide bedürfen eines noch übergeordneten und überbordenden Ideals, nämlich der Freiheit. Wenn uns die FDP oder andere liberale Parteien nichtswürdig oder als reine Wirtschaftspartei erscheint, so heißt das nicht, dass das liberale Ideal verblasst wäre. Es mag in liberalen Ländern nicht mehr die alte Strahlkraft haben, desto mehr wird es aber in der nach wie vor unterdrückten Welt geschätzt. Und je mehr wir zulassen, dass es unterschätzt wird, desto mehr brauchen auch wir es.

Es gibt eben nicht nur rechts und links oder schwarz und weiß. Es gibt, vielleicht nicht gerade in der FDP, jede Menge Menschen, die liberal sind oder denken oder beides.  Es ist in einer liberalen Gemeinschaft auch nicht verboten, unpolitisch oder neutral zu sein. man kann auch optional vorgehen, nach Gelegenheit und Gegebenheit. Menschen, die so handeln, werden oft als Opportunisten geschmäht, obwohl die meisten Menschen, wenn sie es recht bedenken würden, sich selbst als Opportunisten sehen müssten. Viele bedeutende Politiker waren reine Opportunisten, zum Beispiel Bismarck, der als Erzkonservativer etwa ganz Neues begann, Churchill, der dreimal die Partei wechselte, Adenauer, der gegen seine Überzeugung nach Moskau fuhr und die letzten Kriegsgefangenen zurückholte, Kohl traf Honecker und Merkel beseitigte die Wehrpflicht und ermöglichte einer Million Flüchtlinge ein Leben in Würde. Trotzdem hat Opportunismus einen schlechteren Ruf als das Beharren auf veralteten Standpunkten.  Es gibt auch sehr viele Menschen, die einfach nur sozial sind. Sie wollen anderen helfen, sie wollen weder sozialistisch noch nationalsozialistische sein, sie wollen, dass es anderen Menschen besser geht als zuvor.

Vielen Menschen scheint es nur noch darum zu gehen, Tabus zu brechen, seit es erlaubt ist, Tabus zu brechen. Der Sinn des Tabus war seine Unzerstörbarkeit. Der Zusammenhalt ein tabuösen Gemeinschaft bestand gerade darin, dass niemand, bei Strafe des Todes, das Tabu auch nur zu berühren wagte. Wenn eine Gemeinschaft die Todesstrafe, und weitgehend auch andere sinnlose Strafen, abschafft, schafft sie damit gleichzeitig auch Tabus ab. Den Nationalsozialismus zu verdammen, kann also nur auf Einsicht beruhen, nicht auf einem Tabu, das einer älteren Kultur angehört. Das hört sich schwer an, unlösbar fast. Deshalb rufen so viele Mitbürger, auch Politiker, nach strengeren Strafen, die sie gerade abgeschafft haben, nach der wehrhaften Demokratie, die ein Widerspruch in sich ist, und nach der vollen Härte des Rechtsstaats, der mit Härte und Weichheit nichts im Sinn hat, sondern nur danach trachtet, dass jeder Bürger sein einklagbares Recht erhalten kann.

Man kann nicht zwei Länder nur unter Beachtung eines Gesichtspunktes vergleichen. Aber man kann schon Gruppen, denen irgendein Prinzip höher steht als die Würde des Menschen, empfehlen, nach – beispielsweise – Pakistan zu blicken. Nur Länder, in denen die Würde und die Freiheit des Menschen höher geachtet werden als alle Prinzipien aus der Vergangenheit und Zukunft, werden bestehen, das gilt auch für Liberalität, wenn sie vom Ideal zum Prinzip verkommt.

 

*Beethoven an Struve 1795

DAS ZEITALTER DER STREICHQUARTETTE

 

Wann wird auch der Zeitpunkt kommen, wo es nur Menschen geben wird.*

Nr. 385

Ein Jahrhundert lang herrschte der Bachchoral als Maß oder Norm der perfekten Vierstimmingkeit. Er ging dann später zusammen mit dem Gospel seinen Weg in Jazz und Pop, schließlich in die Epoche der Allgegenwart von Musik. Überall auf der Welt laufen heute Menschen mit Kopfhörern, die aus den Endgeräten** der gespeicherten und ewig reproduzierten Kommunikation den musikalischen Teil in die Ohren von Milliarden Menschen transportieren. Genauso streng vierstimmig und damit die vier menschlichen Stimmlagen abbildend, aber weitaus elitärer kam dann ab 1800 das Beethovensche Streichquartett daher. Das Bürgertum hatte in Städten wie Wien, wo Beethoven lebte, oder Hamburg oder London den Konzertbetrieb übernommen, aber auch die Hausmusik aus den Kantorenhäusern in die normale bürgerliche Familie transferiert. Die gesamte Kammermusik des neunzehnten Jahrhunderts war für den häuslichen Gebrauch gedacht. So wie heute in jedem Haushalt ein Fernsehgerät und ein Computer steht, so stand hundertfünfzig Jahre lang in jedem bürgerlichen Wohnzimmer ein Klavier. Der Bruch ist doppelt: der Wohlstand breitete sich auf alle Menschen – sogar weltweit – aus, aber die Aktivität nahm gleichzeitig ab. Allerdings gibt es heute wesentlich mehr Freizeit und demzufolge auch mehr aktive musikalische Betätigung als zu jeder andren Zeit.

Man kann die Beethovenschen Streichquartette aber auch anders deuten.

Während die Klaviersonaten, wie vorher auch schon Bachs Wohltemperiertes Klavier, die Emotionen eines Menschen abbilden und ausdeuten, man denke nur an den hämmernden Beginn der Waldstein-Sonate, zeigen die Streichquartette das menschliche Miteinander.

Innerhalb eines strengen Rahmens werden Argumente nicht nur ausgetauscht, sondern solange moduliert, verändert, variiert, permutiert, bis sich eine schlüssige Lösung findet. Aber wir wissen: beim nächsten Hören wird die Lösung anders klingen oder es ist plötzlich keine Lösung mehr oder sie ist nicht mehr schlüssig, sondern weist auf Zukünftiges hin. Nichts im Fluss der Musik ist absolut. Musik ist das getreue Abbild der Relativität, das gilt natürlich auch umgekehrt. So gesehen wundert es nicht, dass Einstein Musiker war.  Es entwickelt sich mit dieser Musik eine Kultur des Dialogs, auch des Streits, die aber immer in der abgeschlossenen Form bleibt. Das ist das genaue Gegenteil des heutigen Framings. Das freie Spiel der Alternativen in einem Streichquartett oder einer Podiumsdiskussion oder eines liebenden Paares wird beim Framing in ein Deutungsraster gepresst, an dem sich auch die oft gegensätzlichen Parteien erkennen.  Schließlich geht es nur noch um die gegenseitige Erkennung der Herkunft oder der Identität.

Alle Gruppen erodieren, alle Identitäten verändern sich. Aber damit ist leider noch nicht der ideale, von Beethoven herbeigesehnte Zustand, dass es nur noch Menschen gäbe, erreicht. Auch Schiller muss noch auf das Elysium warten. Auf der einen Seite sehen wir Weltbürger und Globalisierungsgegner. Auf der anderen Seite sehen wir die Lordsiegelbewahrer der alten Identitäten Nation, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Ideologie, Hierarchie.

Die Seite der Bewahrer spielt sozusagen den unendlichen Stimmton a= 440 Hertz und lässt keine Veränderung zu. Tatsächlich ist der so genannte Kammerton selbst relativ und im Laufe der Jahrhunderte immer höher geworden.  Tatsächlich ist sogar ein Ton dann veränderbar, wenn er auf einer beweglichen Quelle installiert wurde, das ist bekannt als Doppler-Effekt.

Die andere Seite sucht nicht die neue Identität. Ihr Problem ist vielmehr, dass wahrscheinlich oder möglicherweise Identität nicht mehr geeignet ist, den Zustand des Menschen in Relation zur Welt zu beschreiben. So wie die Naturforscher eines Tages verängstigt feststellen mussten, das die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft nicht mehr ausreichen, um die Natur zu beschreiben, so sehen die Menschenforscher sich heute vor dem begriffstheoretischen Abgrund des Menschen in einer Welt ohne Hunger, ohne (Welt-)Krieg, ohne Pest, mit ungeheurer Mobilität von Menschen, Dingen und Gedanken.  Obwohl es viel mehr Menschen gibt als je zuvor, sind sie auch erkennbarer und verbundener als je zuvor. Ihre Ungleichheit sehen sie als überwindbar an, während die Ungleichheiten früherer Zeiten als unüberwindbar galten. Ihre Gleichheit lernen sie als Gleichartigkeit und Gleichberechtigung schätzen. Ihre Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit erkennen sie wie Schuppen, die ihnen von den Augen fallen. Und plötzlich haben sie alle das gleiche Ideal: die Freiheit, die bis zur Unkenntlichkeit verschleierte Frau im Iran, der homosexuelle Priester im Vatikan, der junge Ziegenhirt in Eritrea, die Büroarbeiterin in Hongkong, der Neonazi in der Uckermark, das vom Polizisten mit der Pistole bedrohte Straßenkind in Brasilien, die Opiumbauernfamilie in Afghanistan, der suizidgefährdete junge Inuit auf Grönland, sie alle können plötzlich erkennen: die Vergangenheit begann nicht mit der Sklaverei und die Zukunft endet nicht in der Autokratie.

Parteien und traditionelle Herrschaftsinstrumente erodieren da, wo dieses wahrlich nicht neue Ideal aufscheint, ihm folgt aber immer als Schatten das Gespenst des autoritären, hierarchischen Führers in seiner erbarmungswürdigen Endlichkeit, zu der die Hymnen des Scheiterns gespielt werden: DEUTSCHLAND DEUTSCHLAND ÜBER ALLES.

Das heißt doch nicht, dass nicht jeder sein Land oder seine Region als die beste der Welt empfinden kann.  Das wird schon deshalb noch lange so bleiben, weil weit mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung die Welt nur aus dem Fernsehen und aus dem Internet kennt. Es ist mit den heutigen Mitteln, Flugzeug, Kreuzfahrtschiff, auch nicht wünschenswert, dass es mehr werden, so sehr man den Benachteiligten das Reisen wünschen mag.

Dieses Widerstreben in der formalen Einheit findet sich im Streichquartett. Der gegenwärtige Zustand der Diskurskultur kann kaum anders beschrieben werden, als dass sich die Kontrahenten gegenseitig mit Streichquartetten und Wohnzimmerklavieren bewerfen.  Der Austausch im Moment, und nicht nur in Deutschland, beruht wohl eher darauf, sich Identitäten an den Kopf zu werfen. Die Argumente verkümmern zu Ziegenkotkügelchen. In der Uckermark wird im August wieder ein Schuljahr mit durchschnittlich siebenundzwanzig Schülern je erster Klasse beginnen. So entwickelt sich im besten Fall Durchschnitt. In Kenia beträgt die Alphabetisierungsquote knapp 80%, aber in den Klassen sitzen bis zu 80 Schülern und die unausgebildeten Lehrer arbeiten mit vorgefertigten Unterrichtsprogrammen auf Tablets.  Die Finanzminister der Welt sind aufgefordert, sich Beethovens Streichquartette anzuhören, den Verteidigungsministerien sämtliche Mittel zu STREICHEN und sie in den Bildungsbereich zu transponieren. In meiner Aufnahme der Streichquartette von Beethoven spielt der erste Geiger eine Stradivari-Geige aus dem Jahre 1686. Wo und wann solch ein Handwerk blüht, muss man um die Gesellschaft keine Sorge haben***.

02. 02. 2020

fb_img_1576859070038

Foto: Gash Barka Agordat

*Beethoven an Struve 1795

**ironische Anspielung auf ‚GRIME‘ von Sybille Berg

***www.medienschmiede.online

 

DURCHDRINGUNG IST DAS GEGENTEIL VON KONFRONTATION

 

(Wann wir auch der Zeitpunkt kommen, da es nur Menschen geben wird?)

Nr. 384

jedes denken ist wunsch

jeder glaube ist irr

 

Das Wort ‚Irrglaube‘ beinhaltet doch schon die Konfrontation, denn es geht davon aus, dass es einen Glauben gibt, der verifizierbar und alleingültig ist und übersieht, dass es dann kein Glaube mehr ist. Genauso verhält es sich mit dem Unwissen. Es bezeichnet doch nur die Abweichung von einem definierten Wissenskanon. Kein Abiturient von heute hätte 1920 das Abitur bestehen können, kein Abiturient von 1920 würde heute das Abitur bestehen, was vielfach von denen bestritten wird, die glauben, dass früher alles besser war. Ein Dakota-Indianer vor zweihundert Jahren wusste Gigabyte mehr über die Natur als jeder heutige Nerd. Wen wir als dumm bezeichnen, kann doch mehr über ein Geheimnis wissen, von dem wir noch nie gehört haben. Und der Glaube versetzt Berge, steht an einem Haus in der Berliner Brunnenstraße, denn das Haus stand einst in einem anderen Land.

Leider haben die drei monotheistischen oder abrahamitischen Religionen am krassesten dazu beigetragen, aus jedem Glauben einen Irrglauben zu machen, einfach durch Denunziation des anderen. Wer annimmt oder verkündet, dass der Wesensinhalt von Glauben darin besteht, bestimmte Rituale minutiös einzuhalten, diskriminiert doch jeden, der sie nicht einhält mindestens als Sünder, weitestens als ungläubigen Feind.

Dabei hätte die Berufung auf den gemeinsamen Stammvater Abraham das Gegenteil bewirken müssen, zumal er derjenige war, dessen Geschichte die Ablösung der Menschenopfer durch die Tieropfer erzählt. Nach der biblischen Überlieferung befahl ihm eine Stimme, seinen sechzehnjährigen Sohn Isaak zu opfern. Er fesselte ihn auch tatsächlich und setzte das Messer an die Kehle seines angeblich geliebten Sohnes. Im letzten Moment greift Gott – wörtlich – ein und schiebt die mordende Hand beiseite. Beide opfern dann ein Schaf. Wenn man keiner der drei Religionen, die das feiern, angehört, dann kann die Botschaft lauten: man muss, um vermutete oder geglaubte transzendente Mächte zu beruhigen, keine Menschen, seien sie geliebt oder ungeliebt, schuldig oder unschuldig, gläubig oder ungläubig, ermorden. Stattdessen soll man sich an das fünfte Gebot erinnern und die noch frühere Forderung beachten, seines Bruders und seiner Schwester Hüter zu sein. Das ist allgemeinmenschlicher Konsens. Es gibt keine relevante Kultur oder Religion, die dem widerspricht. Vom Tötungsverbot erlaubte Ausnahmen dienen immer nur dem Zeitgeist: Todesstrafe, Tyrannenmord, Krieg. Komplizierter als die Gewährleistung des Lebens ist die Gewährung der Freiheit. So wird in der Utopie des später hingerichteten Thomas Morus die Sklaverei als gängige Strafe eingesetzt, die Todesstrafe jedoch verboten. Die Katholiken verehren Morus, weil er Katholik blieb und ein Kontrahent Martin Luthers war, die Anglikaner verehren ihn, weil fromm blieb, die Kommunisten verehrten ihn, weil er – theoretisch – das Eigentum abschaffte, die Politiker verehren ihn wegen seines diplomatischen Geschicks. Die Feministinnen und Feministen sollten ihn hochschätzen, da seine Tochter – dank seiner Erziehung – eine der gelehrtesten Frauen Europas war. Und was hat es ihm genützt?

Abraham hat also aus heutiger Sicht das Menschenopfer verunmöglicht, so wie Ödipus den Inzest, den er nicht bewusst und willentlich einging, verdammte. Das Inzestverbot erscheint uns heute als natürliche Ordnung, obwohl es immer wieder – allerdings statistisch nicht signifikant – überschritten und nicht in allen Ländern der Welt mit juristischen Mitteln verfolgt wird. Eine solche Erzählung scheint es gegen die Polygamie nicht zu geben, weshalb sie sich – trotz abschreckender Beispiele – als Vorstellung bis in die Gegenwart erhalten hat.

Statt also die Urgeschichten von Abraham als Band der Gemeinsamkeit zu verstehen, wurde deren unterschiedliche Auslegung als gegenseitige Definition von Glauben und Irrglauben benutzt. In dem Sinne ist jeder Glaube ein Irrglaube: von der anderen Seite her gesehen. Aber diese Kritik betrifft nur die kollektive, institutionalisierte Religionsausübung, das, was man in Europa Kirche, im arabischen Raum Umma nennt.

Zwei Arten von Glauben können dagegen nicht irren: der Glaube als Hoffnung und der Glaube als Vertrauen.

nur wer glaubt weiß

nur wer weiß glaubt

 

Wer weiß, oder besser gesagt, wer glaubt etwas zu wissen, verbindet dies oft mit der Hoffnung auf die Nützlichkeit seines Wissens als Navigation, als Überlebensstrategie, als Logistik. Das setzt voraus, dass man den Vorfahren vertraut oder glaubt, dass man sich eins weiß mit Menschen, die einem auch fremd sein könnten. Die Angst vor dem Fremden, so verständlich sie auch immer sein mag, schützt uns nicht, sondern verhindert Glauben, Vertrauen und Zuversicht. Wer das Misstrauen zur Norm erklärt, versperrt dem Vertrauen den Weg. Das heißt aber nicht, dass es kein Misstrauen gibt oder geben kann und dass es nicht auch zeitweilig berechtigt sein kann. Nichts heißt alles, das Gegenteil ist ein Irrglaube der Definitions- und Herkunftsanbeter. Definitionen sind Hypothesen, manche hoffen, andere glauben, dass sie ‚richtig‘ sind, aber man sollte wissen, dass sie immer nur zeitweilig, an bestimmten Orten oder in engen, ideologiegeführten Gruppen gelten.

 

warum soll ich dir mehr glauben als mir

so denken alle aber so ist es nicht

 

Bei Lessing, in seiner schönen Urgeschichte von Nathan, dem Weisen, sind es noch die Väter, denen wir mehr oder weniger glauben. Sieht man aber genauer hin, außerhalb der Geschichte und eines engen historischen Rahmens, so betrifft es alle sich begegnenden Individuen. Da wir, die heute lebenden Menschen, uns mehr und mehr aus festgefügten Gruppen verabschieden und lieber dem Glauben anhängen, frei und unabhängig zu sein, erscheint uns unsere Existenz individualistischer, vereinzelter. Gleichzeitig nimmt aber nicht nur die Zahl der Menschen zu, sondern auch die Arten ihrer Existenz ab. Die Lebensweisen nähern sich an. Das kommt, verkürzt gesagt, durch die Mobilität der Gedanken und Dinge. Tatsächlich haben wir wahrscheinlich Freiheit mit Mobilität verwechselt und Denken mit Kommunikation. Wir können nicht nur jeden Ort der Welt mühelos erreichen, sondern auch mit jedem der knapp acht Milliarden Menschen kommunizieren, was ja sich verbinden heißt. Niemand hat eine Botschaft für acht Milliarden Menschen, aber das Gefühl, dass wenn wir eine Botschaft hätten, sie auch mit allen unseren Mitmenschen teilen zu können, macht uns frei, hoffnungsvoll, omnipotent, alles Eigenschaften, für die unsere Vorfahren eine Projektion brauchten, ein Menetekel oder einen Gott. Die Quelle aller Hoffnung und aller Liebe war auch leider – bisher – immer die Quelle der Unterscheidung, der Angst und der Konfrontation. Wer die Begriffe Irrglauben oder Unwissen in einem selektiven Sinn benutzt, untersagt sich nicht nur Ironie, sondern auch Menschlichkeit. ‚I met God, she’s black.‘ – dieser schöne, ironische und menschliche Satz bringt so viele Menschen zur Weißglut: alle, die wissen , dass Gott ein Mann (Vater, Lord of Lords, Herrscher der himmlischen Heerscharen, König), dass er weiß oder wenigstens gelblich, wie alle Portraits, auch die afrikanischen, belegen, dass er, obwohl sie ihn gegen alle Zweifel und gegen alle Feinde behaupten, nie anzutreffen ist.

Die Gipfelpunkte des Vertrauens, das mich dir mehr glauben lässt als mir, das uns gemeinsam vorwärts zu schreiten ermöglicht, obwohl die Zeiten – wie immer – finster und aus den Fugen sind, sind die Liebe und der Fortschritt des Menschengeschlechts. Der Hunger wurde durch den Brühwürfel besiegt, die Autokratie durch das Smartphone: wir können optimistisch in die Zukunft sehen, in der es nur noch Menschen geben wird.

BTHVN-WEIHNÄCHTE

 

Nr. 383

 

WANN WIRD AUCH DER ZEITPUNKT KOMMEN, WO ES NUR MENSCHEN GEBEN WIRD? *

 

Es ist schwer vorstellbar, dass Beethoven Weihnachten gefeiert hat. Weihnachten beginnt auch erst so richtig im neunzehnten Jahrhundert. Trotzdem gibt es einen Anhaltspunkt: die sechste Sinfonie. Von der Natur haben wir ähnlich veridyllisierte Vorstellungen wie von Weihnachten. Das hängt mit unserer Kindheit und den dort entstandenen Idealen zusammen. Weihnachten erschien uns, als wir Kinder waren, nicht als diese völlig mit überflüssigen Geschenken und viel zu vielem Essen überladene Freizeit. Weihnachten war (und ist?) für Kinder ein mystischer Ort und eine mystische Zeit. Aus dem Lied nur kennen wir das Gehämmere des Vaters an den neuen oder rekonstruierten Spielzeugen, die dann im Licht der Stearinkerzen erstrahlten. Lichter und Weihnachtsbäume gehören allerdings zum heidnischen Inventar, das sonst von der Kirche gern als unstatthaft denunziert wird. Wir dagegen lehnen den Begriff des ‚Heiden‘ ab, weil wir uns fragen, warum ausgerechnet diejenigen Menschen, die die Natur noch als Unbill und Heil erlebten, unspiritueller gewesen sein sollen als wir mit unserem Assekuranzdenken.  Wer unsere Vorfahren als ‚Heiden‘ oder anders beschimpft, hat wohl kein Verständnis für Höhlen- und Felsmalerei entwickeln können.

Und alles, was zwischen Höhlenbildern und Weihnachten liegt, wird in der auch Pastorale genannten Sinfonie geschildert. Wie in einem Roman, der ebenfalls in dieser Zeit aufkam, entwirft Beethoven hier in einem Gemälde wie von Pieter Brueghel einen Schnitt durch Ort und Zeit. Die Natur verkam zu dieser Zeit zum Ort des Ausflugs, was auch ein metaphorisches Wort für die Scheinidentifikation des Menschen mit der Natur war. Man wanderte – lebensmäßig – in die Städte ein, am Sonntag aber aus den Städten in die Natur, aber vielleicht doch mehr in die Ausflugslokale. Beethoven reiht sich hier ein in die, vor allem romantischen, Beschreiber des Rousseauschen ‚Zurück zur Natur‘, das ja nur zeigt, wie weit sich die europäisch-nordamerikanische Menschheit schon von der Natur entfernt hatte. Rousseau war es auch, der alle bisherigen Theorien vom Menschen als bloße Distanzierung von der und Erhebung über die Natur entlarvte. Sein missgünstiger Kollege Voltaire schrieb ihm daraufhin, dass er, seit er das las, glaube, auf allen Vieren gehen zu müssen. So groß war der Abscheu selbst hochgebildeter Aufklärer vor der einfachen Tatsache der Gleichheit, die Gleichartigkeit wie die daraus folgende Gleichberechtigung meint, nicht eine geistige oder körperliche UNIFORMIERTHEIT. Jede Herabsetzung und Verächtlichmachung dieser Gleichheit beruht auf UNINFORMIERTHEIT.  Das ist der wahre Grund, warum es keine eigentliche rechte Theorie gibt: man kann Uninformiertheit nicht aufschreiben. Von Graf Gobineau über den unsäglichen Houston Stewart Chamberlain bis hin zu Oswald Spenglers ‚Untergang des Abendlandes‘, der  wenigstens noch in seiner Loserfantasy wortgewaltig zu schwelgen verstand, von Kubitschek als bloßem Nachplapperer  zu schweigen, steht in den Büchern mehr oder weniger nichts, nichts, das wir nicht schon wüssten und entweder aus gutem Grund abgelehnt hätten oder das sich selbst in sinnlosen Kriegen verzehrt und ausgelöscht hätte.

Der zweite Weg, uns von der Natur zu entfernen, ist unsere Ernährung, der Brühwürfel als Metapher und Inbegriff zwar ausreichender, aber naturferner und substituierter** Sättigung. Justus von Liebig und Julius Maggi haben zwar einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung des Hungers geleistet, Liebig sogar doppelt durch die elementare Düngung, aber gleichzeitig auch zur Industrialisierung der Landwirtschaft und damit der Natur.  Heute stellen pervertierte Landwirte Kreuze in die Landschaft, die sie unter ihren Feldern nicht mehr erkennen, nicht etwa um auf das Artensterben hinzuweisen, sondern auf die Minderung ihres Profits. Das Christentum hat scheinbar nicht nur die Deutungshoheit über Weihnachten und Ostern verloren, sondern auch über das makabre Symbol des Kreuzes. Die mechanische und chemische Einwirkung auf den Boden hat seither in automatischen Maschinen, die Mälzels Schachautomaten schon von der Funktion her in den Schatten stellen, gigantische Ausmaße angenommen. Man könnte, um den Begriff der Megamaschine aufzugreifen, der geschaffen wurde, um zu erklären, wie riesige Steine zu Megalithgräbern aufgehäuft werden konnten, von einer solchen gigantischen Maschine sprechen, die sich anschickt, global alles zu vernichten, über und unter dem Wasser- und Erdspiegel. Wir werden Beethoven nicht missbrauchen, um in die Partei des Dystopien, der sich selbst als realistisch bezeichnenden Untergangs- und Loserfantasien einzutreten, im Gegenteil wollen wir auf den selbstverschuldeten Werteverfall hinweisen, der sich aus der Lösung der gravierenden drei Probleme der Menschheit ergab: Hunger, Krieg und Pest. Der Jubel über das Überleben übertönte sie Sorge über den möglichen Untergang nicht etwa des Abendlandes, sondern aller Länder. Es bleibt, nebenbei bemerkt, völlig unverständlich, wie man angesichts solcher schwerwiegenden Probleme annehmen kann, dass das völlig in Problemen und Ruinen versunkene Morgenland sich anschicken könnte, das Abendland zu usurpieren. Weder wird es irgendeine Religion noch einmal zur Weltherrschaft schaffen noch ein Land, das nicht kann als seine eigenen Bewohner in Gefängnisse zu stecken und die Erde ohne Rücksicht auf ihren Verlust auszubeuten.

Beethoven konnte das alles nicht wissen, als er 1808 seine sechste Sinfonie schrieb, aber er wusste, was Hunger ist, weshalb sein kleines Lied von dem hungrigen Savoyarden mit dem Murmeltier genauso eindrücklich ist wie seine romanhafte Beschreibung der Natur. Aber er beschreibt keine Idylle, sondern ein Ziel: zurück zur Natur. Wir können nicht glauben, dass die Entwicklung immer größerer und immer naturfernerer Megastädte etwas anderes sein kann als steingewordene Dystopie. Umgekehrt ist die sechste Sinfonie klanggewordener Jubel über die Vielfalt und Schönheit der Natur. Sobald man sie geldwert umrechnet, wird sie selbst zum Feind: fünfzig Millionen Küken werden jährlich in Deutschland geschreddert, Millionen Ferkel ohne Betäubung kastriert, ein Kalb kostet im Moment neun Euro, ein anderthalbjähriger Zuchtbulle dagegen 100.000 €. Das ist alles Ausdruck widernatürlicher Gier und Perversion von uns allen, die wir nicht zurückfinden können zur Natur des Menschen, der irgendwo in der Natur liegen muss. Aber vielleicht ist das auch schon eine Dystopie.

 

*Brief an Struve 1795

**durch Hilfsstoffe wie zum Beispiel Geschmacksverstärker ersetzt

DIE BTHVN EMANZIPATION

Nr. 382

WANN WIRD AUCH DER ZEITPUNKT KOMMEN, WO ES NUR MENSCHEN GEBEN WIRD?*

 

Als der junge Beethoven 1792 von Bonn nach Wien zu einem Studienaufenthalt aufbrach, von dem er übrigens nie zurückkam, brach die europäische Menschheit zu einer ähnlich dimensionierten Veränderung des gesamten Lebens auf, wie wir sie heute erleben. Wir können deshalb gut verstehen, dass und wie den Menschen das Staunen im Halse steckenblieb. Damals ging es auf der einen Seite um das, was wir heute Menschenrechte nennen, auf der anderen Seite um eine beinahe nicht vorstellbare Technisierung der menschlichen Existenz.

Beethoven war mit einem der großen Erfinder seiner Zeit eng befreundet, Nepomuk Mälzel. Wir kennen ihn als den Konstrukteur des Metronoms, eines einfachen mechanischen Uhrwerks, das den Takt der Musik misst oder antizipiert. György Ligeti, der 1967 den Beethovenpreis der Stadt Bonn erhielt, schrieb 1962 ein Poem für 100 Metronome, das zeigt, dass alle Präzisionsinstrumente falsch gehen. Es gibt keine Gleichzeitigkeit. Es gibt keine Hierarchie. Mälzel konstruierte aber auch einen Schachautomaten, der ein mechanisch-kommunikatives Meisterwerk, aber gleichzeitig ein double fake war, indem Mälzel die Urkonstruktion gekauft und nur verbessert hatte und indem in dem Apparat ein Schachspieler verborgen war, was viel später Edgar Allan Poe nur durch Beobachtung und Argumentation nachweisen konnte, ein seltener Fall der Kraft der Worte. Die damaligen Menschen begegneten Maschinen, die sie nicht verstanden, sie standen einer Welt gegenüber, wie Professor Hegel in Berlin verkündete, die sie selbst nicht gemacht hatten. Es verband sich auch am Beginn des mechanisch-industriellen Zeitalters der moderne Begriff der Maschine mit dem des Dämons. Ganz so hatten die alten Griechen auf ihrem Theater unliebsame Probleme durch den deus ex machina, den Gott aus der (Theater-)Maschine lösen lassen.

Beethoven erlebte – und vielleicht erklärt von Nepomuk Mälzel, übrigens weltberühmt durch seine Automaten, die keine fakes waren, er war im gleichen Jahr wie Beethoven nach Wien gekommen – den Beginn der Eisenbahn, der Dampfschifffahrt, der Luftschifffahrt, des Liverpool-Kapitalismus und der Verkündung der Menschenrechte durch die amerikanische und französische Revolution. So wie heute waren das zunächst Ereignisse, die nur in den – ebenfalls soeben erst erfundenen – Zeitungen verkündet wurden und die man im täglichen Leben vergebens suchte, andererseits war jedem denkenden Menschen klar, dass sich die Welt soeben tatsächlich änderte.

Während das neunzehnte Jahrhundert in Beethoven den genialen Nerd sah, der auf seinen Flügeln, die damals noch Pianoforte hießen, sempre forte herumhämmerte und im täglichen Leben zum Scheitern verurteilt war, unterstützt wurde diese Lebensuntüchtigkeit durch seinen extremen Alkoholismus und die dadurch – mit – verursachte Taubheit, sehen wir heute eher den emanzipierten Bürger.

Mit Ausnahme weniger Denker, etwa Rousseau und Alexander von Humboldt, ging man von einer natürlichen hierarchischen Ordnung aus, die qualitative und vor allem unveränderbare Unterschiede beschrieb. Demzufolge war der Bürger ein besserer Handwerker, wenn nicht überhaupt der Handwerker, der dem Adel zu dienen hatte. Allerdings gab es immer Ausnahmen, Adlige, wie Friedrich II. von Preußen oder eben Humboldt, die das anders sahen, oder Bürgerliche wie Goethe, denen es gelang, ganz nach oben zu kommen. Aber noch Beethoven haderte mit dem kleinen Buchstabenunterschied seiner Herkunft, er wäre gern ein von Beethoven gewesen. Schließlich hat er den fehlenden Buchstaben durch Selbstbewusstsein ersetzt. Der Bürger ist also jemand, der Herkunft durch Leistung ersetzt. Das ganze folgende neunzehnte Jahrhundert würde zeigen, dass die bedeutendsten Denkfehler der Menschheit Identität und Definition sind. Rousseau zeigte den Wilden, so nannte man damals die nichteuropäischen Menschen, als moralisch höherstehend, Darwin zeigte Wal und Fledermaus als Säugetiere und das Säugetier Mensch als Teil und nicht Vorstand der Natur. Napoleon riss, wir hören es heute nicht mehr so gerne, die Standesschranken nieder und erklärte alle Menschen für Brüder, was Schiller dann für die Neuzeit kodifizierte und Beethoven in die allgemeingültige Form goss.

Der Bürger war ein riesiger Brocken im Emanzipationskuchen, an dem seit der Renaissance gebacken wurde. Bonner Freunde berichteten Beethoven sicherlich von einem anderen Schritt zur Verbrüderung: erfreute Bürger schlugen mit Beilen das Tor zum Bonner Ghetto ein, nachdem die französische Besatzung die Juden zu freien Bürgern erklärt hatte. Im benachbarten Frankfurt stieg nicht nur Bürger Goethe auf, sondern auch die ein Jahrhundert lang finanzmächtige Familie Rothschild, vor der die Neurechten heute noch zittern, so mächtig war ihr Ruf.

Beethoven hat die Widmung seiner dritten Sinfonie** rückgängig gemacht, als ihr Namensgeber, der Bürgergeneral, sich als Kaiser definierte. Aber solche Bezeichnungen – Eroica, die Heldenhafte – und solche Widmungen sind ohnehin Zeitgeist und nicht Grundlage der Interpretation. Die rechte Interpretation ist das, was wir hören. Man muss nicht Musik oder Wissenschaft studieren, um Musik zu verstehen: Rap kam aus den New Yorker Ghettos und ist heute so populär wie damals in Wien Beethoven. Verdi griff einem Leierkastenmann in die Kurbel, weil ihm das Tempo nicht gefiel, und heute kann jeder Mensch auf der Welt ALL YOU NEED IS LOVE pfeifen.

Heute kann man sich zuhause ganz sicher fünfzig verschiedene Aufnahmen der dritten Sinfonie anhören und man denkt bestimmt nicht an Napoleon oder Nichtnapoleon. Vielleicht hört man im vierten Satz zwei Themen oder Motive miteinander abwechseln. Sie werden beide ausgeführt, das starke, strahlende, große und das softe Thema, das den Menschen weichzeichnet, fragil, empathisch. Dann donnert wieder die Emphase dazwischen: sei Held, Held, Held. Aber das kleine weiche Thema summt: bleib Mensch, bleib Mensch, bleib Mensch. Der afrodeutsche Rapper Filimon Mbrhatu rappt: Mensch ist Mensch und Papier ist Papier. Er meint seinen nicht vorhandenen Pass, obwohl er doch offensichtlich vorhanden ist. Wo ist der Unterschied zu Beethoven?

Beethoven hat die beiden Themen dann so zusammengeführt, übereinander gelegt, wie es vor ihm – aber ganz anders – nur Bach konnte. Der Mensch ist nicht definierbar, reduzierbar, schon gar nicht durch seine Identität oder Herkunft. In seinem Inneren widerstreiten immer verschiedene Prinzipien oder Geiste. Wir erleben es gerade jetzt: das Analoge lässt sich durch das Digitale nicht austreiben. Im Mittelalter sang man: so treiben wir den Winter aus, durch unsre Stadt zum Tor hinaus, aber wir wissen und auch Beethoven wusste, dass es leider nicht geht, denn er hatte das Jahr ohne Sommer, 1815, miterlebt. Der Osten lässt sich durch den Westen nicht vertreiben, so schallt es aus Sachsen. Die Autoritären, die Menschen töten, bekämpfen die Liberalen, die auf Einsicht hoffen. Und so ist immer alles offen: Beethoven, dritte Sinfonie, vierter Satz.

 

*1795, Brief an Struve

**opus 55, Es-Dur, 1805

DER POP BTHVN

 

WANN WIRD AUCH DER ZEITPUNKT KOMMEN, WO ES NUR MENSCHEN GEBEN WIRD.[1]

Nr. 381

Man wüsste heute wohl kaum, wo Savoyen liegt, wenn es nicht ein berühmtes Skigebiet wäre und ein nicht weniger berühmter Prinz aus dem Hause Savoyen einst die Türken aus Europa vertrieben hätte und schließlich in einem früher sehr bekannten Lied von den kleinen Jungen aus Savoyen berichtet würde, die sich mit ihren dressierten Murmeltieren durch Europa bettelten.  Goethe soll sich in so einen verlausten und verkrätzten Jungen dichterisch verguckt haben, so dass er ihn in seine Komödie ‚Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern‘ auch mit dem Namen seines Murmeltieres aufnahm. Beethoven wiederum las den Text und schrieb, ebenso wie zu der Tragödie Egmont die Schauspielmusik[2]. Das Lied ging in den Volksliedschatz ein, später in das Repertoire der Jugendbewegung und Lebensreformer um die 19. Jahrhundertwende. Dann tauchte es mit seiner schelmischen Sozialkritik ein bisher letztes Mal in der Friedens- und Singer-Songwriter-Bewegung der sechziger und siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts auf. Wer nicht glauben kann, dass die Melodie von Beethoven stammt, höre zum Vergleich den dritten Satz des ersten Klavierkonzerts, wo er mit dem gleichen slawisch-romantischen Wechsel zwischen Dur und Moll spielt. Eine ganz kleine Ecke von Beethoven ahnt also eine Winzigkeit von Tschaikowski voraus.  Wer nicht glauben kann, dass die Melodie von Beethoven stammt, überprüfe in diesem Jahr sein Beethovenbild.

Goethes Schwank oder Posse wirkt heute etwas verstaubt, am lebendigsten sind noch das Mädchen, das Eier und Milch verkauft und um das sich der Zigeunerhauptmann und sein Bursche streiten, und der Knabe Marmotte [ICH KOMME SCHON DURCH MANCHE LAND], der die Menschen auf dem Jahrmarkt mit seinem Lied und mit seinen Kunststücken erfreut. Er ist so eindringlich, obwohl sein Auftritt in der Weltliteratur winzigst ist, dass es im neunzehnten Jahrhundert ein Standardsujet für Gemälde gab, auf dem seine Tränen, nicht aber seine Krätze dargestellt waren. Die Reichen verkitschen sogar das Elend der Armen, während die Armen in den Hochglanzmagazinen die Allüren der Reichen bewundern. Trotzdem ist es erstaunlich, welch langwährende Wirkung ein so kleines, allerdings auch sehr schönes Lied haben kann. Es spielt mit dem Hunger, gleich zweimal mit der Erotik einer Jungfer und genauso mit Dur und Moll. Beethoven ist eben nicht der Held auf einem Sockel, wenn er auch nicht der Gelegenheitskomponist war wie Bach, Händel oder gar Scarlatti und Haydn.  Trotz der sechsundfünfzig Wohnungen in dreißig Wiener Jahren ist er nicht das ungehobelte Genie gewesen, das im Leben nicht zurechtkam. Er hatte viele Freunde, aber vor allem auch Freundinnen, Briefwechselpartner, Mäzene, Kollegen, allein bei der Uraufführung der siebten Sinfonie spielte ein Dutzend berühmter Musiker aus ganz Europa mit! Und er hat eben nicht nur tiefgründige Großmeisterwerke, sondern auch sehr schöne Petitessen wie dieses Lied geschrieben, das immerhin auch nach mehr als zweihundert Jahren weit bekannter ist als das ziemlich veraltete und vergessene Theaterstück seines Kollegen Goethe, dem es entstammt. Goethe und Beethoven haben sich im Kurpark von Teplitz getroffen und dort promenierte auch die kaiserliche Familie, Beethoven ging mittendurch und ließ sich grüßen, Goethe katzbuckelte am Rande mit gezogenem Hut. Aber obwohl Beethoven der Meinung war, dass es genügend Adlige, dagegen nur einen Beethoven gäbe, hat er zeitlebens bedauert nur van und nicht von zu heißen. Andererseits hatte Goethe in seinem Großherzog nicht nur einen Gönner, sondern auch einen gleichrangigen Freund gefunden, der ihn und Schiller sogar auch noch mit dem von belohnte.

Weithin wird Beethoven auf seine Vertonung der Worte Schillers aus dessen Ode an die Freude reduziert. Sie wird inflationär zu Staatsanlässen und neuen Jahren gespielt, dient außerdem als Europahymne.  Das ist das KLEINENACHTMUSIK- oder KREUZIMGEBIRGESYNDROM.  Manche Kunstwerke verkommen zu Postkarten oder Erkennungsmelodien. Dafür können die Kunstwerke nichts.

Wir hören die neunte Sinfonie nicht als Sinfonie, sondern als dreisätziges Vorspiel zur Ode, und die Ode als Hauptbestandteil des vierten Satzes. Aber so ist es nicht. Jeder der drei Sätze ist eine eigene Sinfonie über ein Element des vierten Satzes. Und der vierte Satz ist ein Gesamtkunstwerk, das Beethoven hier gemeinsam mit Schiller, der leider schon lange tot war, entworfen hat. Die Millionen stürzen nieder, weil sie eben nicht die Freude als die mögliche Triebfeder und Tochter aus dem Elysium, dem vorchristlichen Paradies, erkennen und den Schöpfer der Welt – ein Prinzip, kein Mensch – auch nicht einmal ahnen wollen. Diese Erkenntnisse waren für Beethoven nicht neu, als er sich an die Verwirklichung seines lang gehegten Plans machte, den Schillertext zu vertonen. Schon 1795, also fünfundzwanzigjährig, schrieb er an einen Jugendfreund aus der Bonner Zeit, der inzwischen als Diplomat nach Russland aufbrach, dass er auf die Zeit hoffe, in der es nur Menschen geben wird.

Heute haben wir den kleinen Jungen namens Marmotte, er heißt so wie sein tanzendes Murmeltier, als Stellvertreter der Menschheit benannt. In den nächsten zweiundfünfzig Wochen wollen wir weitere Menschen in Beziehung zur Musik von Beethoven setzen.

Es ist zu befürchten, dass das neuerliche Beethovenjahr, sein 250. Geburtstag im Dezember, zu einer weiteren Inflation führen wird. Was uns früher alles fern war, ist uns heute näher als nah, und was und früher alles rar war, verkommt zur Inflation. Ob man dieser Inflation ausgerechnet mit einer neuen Textfolge wird entgegensteuern können, mag bezweifelt werden, aber nicht, bevor es probiert wurde.

[1] Brief an Heinrich von Struve, 17. September 1795

[2] Opus 52 Nr. 7

DIE RUINE DER HUFNAGELFABRIK

Nr. 380

 

Im Dreieck zwischen der B 167, dem Finowkanal und der Eisenbahnlinie Berlin-Stralsund liegt eine malerische Industrieruine, die von Carl Blechen, der nicht weit von hier tatsächlich gemalt hat, erdacht worden sein könnte. Es ist die erste und einzige Hufnagelfabrik Deutschlands. Die Villa des einstigen Unternehmers ist in einem winzigen Urwald verschwunden, der wohl ein Park war und nun sehr erfolgreich versucht, den Primat der Natur wiederherzustellen. Kulturhistorisch ist es sicher eine Schande, dass solche Orte erst verfallen und dann verschwinden. Andernorts gibt es Bürgerinitiativen, die versuchen, einen Sinn für Ruinen außerhalb rein musealer Vorstellungen zu schaffen. Aber so viele Räume werden nicht mehr gebraucht. Wir halten uns lieber in überheizten und überhitzten Einkaufszentren auf.

Im Jahre 1869 erfand ein deutscher Unternehmer namens Clemens Schreiber eine Maschine zur Herstellung der bis dahin handgeschmiedeten Hufnägel. Es gab zu diesem Zeitpunkt Millionen von Pferden, die Milliarden von Hufnägeln verbrauchten, mit denen die Eisen auf den Hufen der Tiere befestigt wurden. Das typische Geräusch der schnell wachsenden Städte war das Klappern der Hufeisen auf dem Kopfsteinpflaster. Wenn man das Aussterben der Pferde als Zugtiere beklagt, muss man sich gleichzeitig fragen, ob diese Pferde glücklich gewesen sein können. Wenn man allerdings schon nach dem Glück der Pferde fragt, darf man sich auch die nicht sehr zufriedenen Menschen vorstellen. Vielmehr kämpften sie mithilfe der SPD und ihrer Bildungsvereine für den Achtstundentag, die Gleichberechtigung der Frau und für den ihren Aufstieg durch Bildung.

Wenige Jahre nach dem Aufstieg der Hufnagelfabrik begann der Siegeszug des Automobils, das zunächst für ein gefährliches Luxusgut und für einen Pferdemörder gehalten wurde. Die Perfektion eines Systems kann als sicheres Anzeichen für sein Ende gesehen werden. In den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts verlor das Handwerk als produzierendes Gewerbe endgültig seine Bedeutung. Noch hundert Jahre bestand es als Dienstleister fort, um jetzt als Modulaustauscher einer Wegwerfgesellschaft einen weiteren Wertewandel zu erleben. Ausgerechnet der Pferdemörder Automobil wurde zum Symbol von Freiheit und Bildung. Deshalb fällt der Abschied jetzt so schwer. Vielleicht sterben das Automobil und die Sozialdemokratie gemeinsam, aber nicht, weil eine sich Alternative nennende Partei eine bessere Lösung wüsste oder wäre, sondern weil das Automobil und die Sozialdemokratie selbst einen Perfektionsgrad erreicht und eine Perfektionierung der Gesellschaft geschaffen haben, die ihren Tod bedeuten. Die Gesellschaft dagegen sucht sich einen neuen Fetisch und ein neues Ziel.

Der Philosoph dieser Entwicklung war nicht, wie wir lange annahmen, Karl Marx mit seiner obsiegenden Arbeiterklasse, und schon gar nicht Houston Stewart Chamberlain mit seiner obsiegenden Bleichrasse, auch nicht Johann Heinrich Wichern mit seiner Rückkehr zu einer obsiegenden Glaubensmasse, sondern es war der nach dem Preußenkönig benannte Friedrich Wilhelm Nietzsche, der die Umwertung aller Werte voraussagte und nicht mehr an den Sieg irgendeines Prinzips glauben machen wollte. Sein oft missverstandener neuer Typ war nicht der Übermensch einer Klasse, einer ‚Rasse‘ oder eines Glaubens, sondern der flexible fitte Leser.

So wie aber das Werk jedes Philosophen voller Widersprüche und Widerworte ist, wir erinnern an Hegels Afrikabild und Adornos falsches Leben, so scheinen im Leben der Gesellschaft nicht nur Höhen und Tiefen, sondern auch Perfektionen und Zusammenbrüche auf. Kein Wunder also, dass so viele Menschen unbelehrbar und immer wieder auf monolithische fehlerfreie Blöcke des Wissens und des Seins hoffen. Immer noch träumen so viele Menschen von Definitionen und Wahrheiten und schlüssigen Erklärungen, weil es sie so viele Jahrhunderte lang tatsächlich zu geben schien. Es wäre schön, wenn es sie gäbe, wer hat das nicht schon auch gedacht? Aber sie sind vergänglich, sie sind eitel und Asche im Wind, wie es schon beim weisen König Salomo heißt.

In der derzeitigen Krise sowohl der Demokratie als auch des Diskurses, die vielleicht aber auch nur die Vorbereitungsphase zu einer neuen Stufe des gesellschaftlichen Selbstverständnisses ist, geht es merkwürdigerweise nicht darum, Argumente auszutauschen, sondern sich seiner Gruppe und seiner Zugehörigkeit zu versichern. Man redet sozusagen nicht nach vorne zum angenommenen Gegner, sondern nach hinten zum eignen Stall und erfreut sich am zustimmenden Blöken. Wer so fühlt, glaubt sich immer noch in einer abgegrenzten Schafherde, hat von einer Umwertung aller Werte noch nichts bemerkt. Vor allem können wir nicht genau wissen, was und wohin von uns umgewertet wird. Die Zutaten mögen schon bereitliegen, aber wir kennen den Kuchen noch nicht, der offensichtlich auf uns wartet.

Vielleicht könnten die beiden folgenden Vorschläge helfen, uns Menschen in unserem Festigkeits- und Sicherheitswahn zu erschüttern:

Es sollten Gedenkstätten des Zerfalls geschaffen oder Ruinen in der Absicht des Gedenkens aufgesucht werden. Ruinen sind Gegenstücke zur Fiktion, auch in ihrer Sonderform als Vision: verzerrte Wirklichkeiten mit didaktischer Absicht. Der große Häfner* mag uns die Ruinen hingestellt haben, in dem Sinne wie Hölderlin einst vom zerstörten Palmyra erzählte, das man schon wieder beklagen muss. Aber: es wird immer etwas fehlen, das zerstört wurde. Der Wiederaufbau mag ein Trost sein, ein utilitaristisches** Darüberhinweggehen, wir jedoch müssen mit dem Verlust zu leben lernen. Man kann nicht alles einfach zukleistern. Das widerspricht nicht der Notwendigkeit von Neubau und Neukonstruktion, zu der es Mut, Zuversicht, Kreativität und Jugend braucht.

Es sollten kleine Kompendien zuhauf gedruckt werden, wie sie die deutschen Soldaten im ersten Weltkrieg mit in den Tod nahmen, in denen sie zum Heldentum aufgerufen wurden, genauso wie die Millionen Chinesen, die mit der Mao-Bibel heldenhaftes schaffen sollten, aber Opfer wurden, weil sie geopfert wurden. Allein Salomos und Nietzsches Gedanken enthalten dutzende und aber dutzende Hinweise zur Vergänglichkeit, Shakespeares Frühstück, bei dem man nicht isst (!), sondern gegessen wird, kann gleich auf dem Titel stehen. Es müssen alle Denkperioden der Menschheit und alle Richtungen ausgesucht werden, damit schon in den Zitaten die Widersprüche der wirklichen Welt deutlich werden. Sowohl die Abbildung der widersprüchlichen Welt kann nur in lauter Widersprüchen bestehen, wie auch die Denker sich selbst widersprachen und widerriefen. Adenauers schöner Satz ‚Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern‘, der immer negativ zitiert wird und als Zeichen der Treulosigkeit der Politiker genommen wird, sagt genau das, was wir lernen sollten: von gestern ist nicht soviel zu lernen. Trotzdem gibt es übergreifende Weisheiten, die zu allen Zeiten galten und gelten werden.

*Häfner süddeutsch für Töpfer, in Barockgedichten Gottesmetapher, hier im Sinne des Demiurgen, des personalisierten Prinzips, das die Welt schafft und leitet, aber der Nachteil dieses [Hegelschen] Prinzips ist, dass man daran glauben muss

**nur auf den Nutzen bedacht