WEIHNACHTSFRIEDEN CONTRA WEIHNACHTSMARKT

Heute gibt seit langem einmal wieder einen Gastautor: Matthias Gienke, den Pfarrer unserer kleinen Stadt Brüssow in der Uckermark. Wir haben schon viele Projekte gemeinsam ausgeführt, aber noch nie parallel Texte zum gleichen Thema geschrieben. Ich habe seine Predigt erst am Heiligabend  gehört, er hat meinen Text, der schon vorher fertig war, erst am zweiten Weihnachtsfeiertag gelesen.

 

Ihr Lieben am Heilig Abend

Ich sitze mit meiner Tochter im Advent in einem Einkaufszentrum, beim Essen und füttere sie mit dem Essen, das ich dort gekauft habe. Ich höre: Was will er mit dem Kind hier, er nimmt uns den Platz weg, alles ist schon voll genug, so eng. Wir beide werden beschimpft. Weihnachtsmarkt auf dem Gendarmenmarkt und Menschen sagen, was wollen die mit den Kinderwagen hier, die sehen doch, dass hier wenig Platz ist.  Ja, mit dem Kinderwagen kann man schon etwas erleben.  Ja, wie oft werden allein Dinge erzählt und behauptet, auch hier in unserer kleinen Stadt und stiften Unfrieden.  Mit dem will ich nichts zu tun haben, ja weißt du nicht, hast du nicht gehört… und dann geht’s los. Ob es stimmt oder nicht ist völlig egal.
Frieden untereinander ist gefährdet. Wir können alle genug Geschichten davon erzählen. Aber die Sehnsucht in uns bleibt nach Frieden. Besonders in der Weihnachtszeit spüren wir dies. Wir bereiten mit so viel Liebe das Weihnachtsfest doch vor, schmücken unsere Stuben, kaufen den Braten ein, kaufen Geschenke und freuen uns, wenn wir mit unseren Lieben zusammen sind.  Weihnachten hält unsere Sehnsucht nach Frieden wach, oder wie Frieden übersetzt heißt, nach Versöhnung. Friede bleibt ein Geheimnis und ihm wohnt ein Zauber inne. Friede ist ein Geschenk und ohne es zu erleben, es zu spüren, wird es in unserem Leben nicht klappen. Wer immer nur den besten Deal für sich herausholen will, der ist weit weg vom Frieden, von der Versöhnung. Aber da sind wir angekommen in unserer Gesellschaft. Es zählt nur der eigene Vorteil.  Wie wunderschön, dass ihr da seid, dass ihr dabei nicht mitmachen wollt, dass wir gemeinsam Weihnachten feiern und mit unserer Sehnsucht uns aufmachen zum Kind der Krippe, denn dort liegt der Frieden der Welt.

  1. Ja, Gottes Friede wird heute Mensch

Die Bibel nimmt kein Blatt vor dem Mund. Sie beschreibt in allen Facetten, dass wir alleine Frieden nicht schaffen. Es ist das erste was passiert, als die Menschen aus dem Paradies geflogen sind, Kain erschlägt seinen Bruder Abel.  Es geht immer so weiter, das ganze Alte Testament – ein Ringen Gottes mit den Menschen, die sich immer mehr auf sich verlassen, als auf ihn. Er, der sich immer wieder erbarmt und gewähren lässt, Jona nach Ninive schickt, damit die Menschen umkehren und sich versöhnen. Er, der sich erbarmt, obwohl die Menschen in der Wüste nichts mit ihm zu tun haben wollen, sogar einen neuen Gott sich bauen, das Goldene Kalb. Die Geschichten wiederholen sich bis heute, denn wir ticken so oft gleich, wie Menschen vor tausenden von Jahren. Frieden ist und bleibt gefährdet. Schließlich hat Gott die Nase voll. Er macht sich selbst auf den Weg. Dann müssen doch die Menschen entdecken, was ihm wichtig ist, wofür sein Herz brennt, dass Friede werde.   So heißt es im Lukasevangelium: »Gottes Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe! Und sein Friede kommt auf die Erde zu den Menschen, denen er sich in Liebe zuwendet!« Gottes Wille ist es Versöhnung zu schenken. Er sieht, wir mühen und mühen uns, aber der eigene Deal ist doch oft wichtiger, er sieht aber unser Herz und unsere Sehnsucht, darum kommt er zu uns.

 

  1. Weihnachten ein Geschenk an dich und mich

Gottes Wunsch und Hoffnung ist ganz einfach. Wir machen uns auch auf zur Krippe, zu Jesus, folgen den Hirten und den Heiligen drei Königen und entdecken Gott in ihm, den Frieden, den er für dich bereithält, für unsere Seelen. Denn das gehört doch zu unserem Leben dazu, dass unsere Seele unruhig ist, wir das Gefühl haben, dass uns etwas fehlt in unserem Leben, ja Gott hat ein Sehnsuchtsgen in uns angelegt. Darum suchen wir doch in unserem Leben und fühlen uns so oft nicht mit uns selbst im Einklang, oder haben Sehnsüchte, die wir niemandem erzählen. Wir machen Dinge und denken später, was hast du für einen Blödsinn gemacht.  Uns allen geht es so. Nicht mit Zwang, will er, dass wir zu ihm kommen. Er will uns hineinnehmen in diese große Liebesbewegung, die an Weihnachten geschieht. Gott spricht dich und mich heute an.  So wie die Freude ansteckt, so steckt der Friede an. So hat Gott sich das gedacht, dass sich ein Feuer in unserem Herzen entfacht, wenn wir dem Kind der Weihnacht begegnen.

  1. Ja, wir wollen dieses Feuer an andere weitergeben, den Frieden

Frieden ist und bleibt gefährdet, weil wir oft den besten Deal für uns herausholen wollen.  In Jesus durchbricht Gott dieses Schema. Im Leben von Jesus wird Gottes Friede sichtbar. Dieser Jesus wird transparent für Gott, wie er auf Außenseiter zugegangen ist, wie er Kranke geheilt hat an Leib und Seele, wie er den Tod durchbrochen hat und uns sichtbar für alle Zeit uns vor Augen geführt hat, dass er Frieden, ja Versöhnung mit uns will. Diesen Frieden dürfen wir in die Welt tragen.  Er öffnet uns die Augen für unser Gegenüber. Die Kraft dieses Weihnachtsfriedens haben Soldaten vor 100 Jahren im ersten Weltkrieg erlebt. Weihnachten 1914 ruhten die Waffen, Belgier und Franzosen reichten Deutschen die Hände. Sie sangen „Stille Nacht, heilige Nacht“ und „Silent night, holy night“. Sie zeigten sich Fotos von ihren Liebsten. In der Nähe des französischen Dorfes Fromelles feierten sie einen Gottesdienst. „Der Herr ist mein Hirte“ sprachen sie, den 23. Psalm, in Deutsch und in Englisch. Das Kind in der Krippe stellt alles auf den Kopf und wir brauchen sein Geschenk an uns nur auszupacken, ein Friede für uns selbst und für andere, den wir nirgends sonst auf dieser Welt finden.  Machen wir uns auf zur Krippe, Kommst du mit?

Amen

 

 

 

Werbeanzeigen

FUCK THE "KRISE". Betrachtung nach Weihnachten

Rochus Stordeur

FUCK THE „KRISE“.

Eine Betrachtung nach „Weihnachten“

In einem Erziehungssystem, das letztlich eben doch noch auf Konditionierung und Hierarchie beruht, obwohl das Ziel der Gesellschaft eigentlich Demokratie ist, scheint es nur allzu verständlich, wenn auch die andere Seite mit Strafe arbeitet. Zum Lob hat sie sicher genauso wenig Anlass. Die Strafe kann in Verweigerung bestehen, zum Beispiel der als göttlich angesehenen und als alternativlos gepriesenen Erwerbsarbeit, weil in dieser Welt ohnehin schon viel zu viel Geld vorhanden ist. Die Strafe kann aber auch in der Zerstörung der Konstrukte der Erwachsenen bestehen, hier ist es ein Sportplatz, mithin eine Schnittstelle der beiden Welten. Das Erziehungsziel könnte also lauten: wenn ihr euch weiter so unsinnig benehmt, zerstören wir sogar die Orte, die ihr eigens für uns angelegt habt: die Sport- und Spielplätze!
Eine Krise ist das Unten einer als Sinuskurve vorgestellten Verbildlichung des Lebens oder der Wirtschaft. Der arme Kondratjew (1892-1938) musste sterben, wenn auch nicht, weil er die Länge der Amplitude mit etwa fünfzig Jahren angegeben hat. Seine Idee war es, lange Wellen und als Beginn der Berge Innovationen anzunehmen und das über 140 Jahre nachzuweisen. Es ist unverständlich, warum immer nur über die Berge nachgedacht wird. Zwischen den Bergen liegen Täler, das ist in Bosnien so und in der Wirtschaft. Wer sich über einen Gipfel freut, darf sich nicht über Täler wundern. Zwar mag die Sorglosigkeit der Banker eine Krise vertiefen, verschuldet ist sie indessen nicht durch die Banker und schon gar nicht durch Regierungen.
Warum setzt der tagger aber die Krise in Anführungszeichen? Es besteht die Möglichkeit, dass er damit der Mode unterliegt Anführungs- als Betonungszeichen oder als Metaphernwarnung zu missbrauchen. Es ist aber genauso gut möglich, dass er gar nicht die Krise meint, sondern vielmehr von der Unglaubwürdigkeit der erwachsenen Medien und der erwachsenen Menschen ausgeht. Er glaubt ihnen nicht, dass es überhaupt eine Krise gibt. Wenn er sich überlegt, was alles schon für Ursachen für Schwierigkeiten angenommen wurden, die Engländer, die Franzosen, besonders die Juden, alle Ausländer, neuerdings die Türken, der liebe Gott, die Krise, der Weltkrieg (welcher?), die Nachkriegszeit, das Erdbeben in Chile, der Klimawandel, die Automobile, die Kühe, der Tsunami Nr. 27, die Eiszeit, der kalte Krieg, der kalte Hund, die Kälte, der Egoismus, das Böse, dann fragt er sich, ob es überhaupt noch Sinn macht nach dem Grund zu fragen. Man kann keinem trauen, der mehr als 30 Jahre alt ist. Man kann den Medien nicht trauen, den Regierungen nicht und nicht den Wissenschaftlern. Wenn man aber auch Weihnachten in Anführungszeichen setzt und damit vielleicht sagen will, das, was ihr da feiert, hat mit Weihnachten soviel zu tun wie die Kuh mit Ballett, dann muss man sich fragen lassen, woher man die Richtschnur, die Norm für „wahres Weihnachten“ und „keine Krisen“ nimmt.
Es gibt Krisen. Sie sind das Unten einer als Sinuskurve vorgestellten Verbildlichung des Lebens oder der Wirtschaft. Es gibt Weihnachten. Es ist der Geburtstag des praktizierenden Philosophen Jesus, der die erste moralische Wende herbeigeführt hat, ob er nun Gottes oder Josephs Sohn war. Er war jedenfalls der erste – in unserem Kulturkreis, von dem wir wissen – der Rache als Vermehrung der Ungerechtigkeit sah, der nicht Richter sein wollte (nur wer ohne Sünde ist, soll den ersten Stein werfen!). Gelacht wird oft über seine merkwürdige Lehre, dass, wenn man auf die linke Wange geschlagen wird, man die rechte hinhalten solle. Vielleicht, so habe ich neulich gehört, kann man es so interpretieren, dass man ganz ungewöhnliche Angebote bei Menschen machen soll, die gerade mal konventionell und konservativ handeln können. All diese schönen Sprüche sind nicht wörtlich zu nehmen, es sind Metaphern, wenn man auch, wie bei Kafka, manchmal nicht weiß, ob man selbst nicht auch so ein Gleichnis ist, statt wirklich, besonders wenn man im virtuellen Raum agiert, im „virtuellen“ Raum agiert, im virtuellen „Raum“ agiert, im virtuellen Raum „agiert“, … „…“ …